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The Blueprint

Autor: SD / Kommentare: Bisher keine

Bild von The BlueprintWenn zwei Bands aus Großbritannien vor allem in
der eher alternativen Ecke brachialer
Gitarrenmusik um die Jahrtausendwende Akzente
gesetzt haben, dann waren das wohl Earthtone 9
und Pitchshifter. Beide haben sich inzwischen
leider aufgelöst; einzelne Mitglieder besagter
Combos fanden aber schnell ein gemeinsames
Betätigungsfeld namens THE BLUEPRINT, wie Sänger
Karl Middelton (ex-ET9) berichtet:
»Gegründet wurde die Band Ende 2000 von Matt
(Grundy, g., ex-Pitchshifter - sd), Mark
(Clayden, b., ebenfalls ex-Pitchshifter - sd)
und Chris (Billam, dr., ex-Consumed - sd). Sie
jammten ein Jahr lang rum, sammelten Ideen und
wollten schließlich ein festes Line-up
zusammenstellen. Da ich die Pitchshifter-Jungs
vom gemeinsamen Touren kannte und die Songs sehr
cool fand, stieg ich als Sänger ein. Später
stieß noch Will von Consumed als zweiter
Gitarrist dazu. Er war einfach perfekt für den
Job.«
Die hier zu Lande bisher leider kaum beachteten
THE BLUEPRINT veröffentlichten dann die beiden
EPs "*zero*zero*one*" und "Ecliptic" und tourten
in Großbritannien rauf und runter. Basser Mark
stieg zwischenzeitlich aus und wurde durch Luke
Moss ersetzt. Mit "Phenomenology" liegt nun der
erste Longplayer der Briten vor und bietet dem
geneigten Hörer eine frische Mixtur aus straight
peitschendendem Post-Hardcore und
atmosphärischen Groove-Parts mit gerne auch mal
verspielter Gitarrenarbeit. Über allem thront
die großartige Stimme von Karl, dessen Gebrüll
und Gesangslinien zwangsläufig Parallelen zu
Earthtone 9 ausmachen lassen, auch wenn die
musikalische Herangehensweise eine andere ist.
»Als wir anfingen, wollten wir einen Kontrast zu
den Bands bilden, mit denen wir vorher tätig
waren. Ich persönlich war sehr froh, etwas zu
machen, das anders als Earthtone 9 ist. Ich
wollte Musik spielen, die mehr in die von
Punkrock und Post-Hardcore beeinflusste Ecke
geht und energischer ist. Außerdem hatte die
neue Situation einen Einfluss darauf, wie wir
Dinge organisatorisch angehen. In unseren
vorherigen Bands haben wir in der Hinsicht
einige Fehler gemacht. Bei diesem neuen Projekt
hatten wir nun die Möglichkeit, diese gelernten
Lektionen umzusetzen.«

Dass man selbst als erfahrener Musiker auch im
Proberaum nie auslernt, hat Karl dabei
inzwischen auch erkannt.
»Als wir anfingen, schrieb Matt die Musik im
Alleingang und erklärte dann jedem seine Parts.
Zum Schluss kamen die Texte und Vocals hinzu.
Heutzutage jammen wir viel mehr zusammen und
sind dadurch auch als Songwriter gewachsen, denn
jeder trägt im laufenden Prozess viel zum
Material bei. Dass wir da einen Schritt nach
vorne gemacht haben, kann man dem Album auch
anhören, denn es klingt viel natürlicher. Wir
sind jedenfalls sehr happy mit dem Ergebnis.«
Dabei musste auch Karl seine kreativen
Gewohnheiten etwas umstellen, schließlich waren
Earthtone 9 gerade auch in lyrischer Hinsicht
eine etwas abstraktere Kiste, während THE
BLUEPRINT nicht nur musikalisch wesentlicher
gradliniger daherkommen.
»Das hast du gut erkannt. Ich gehe die Texte für
THE BLUEPRINT tatsächlich bewusst sehr viel
direkter an als bei Earthtone 9, schließlich
sollen sie gut zum Musikstil passen. Dabei
arbeite ich eigentlich immer noch auf die
gleiche Weise: Ich schreibe die ganze Zeit immer
irgendwas und setze die besten Passagen dann
später für die Songs zusammen. Diesmal habe ich
allerdings darauf geachtet, mich weniger
mehrdeutig auszudrücken.«

Man ist geneigt, für das musikalische
Gesamtergebnis Unwort-Schubladen wie "Emocore"
zu bedienen; allerdings steckt hinter THE
BLUEPRINT einiges mehr an spieltechnischer
Raffinesse, atmosphärischer und emotionaler
Tiefe und auch energiegeladener Power als bei so
manch weinerlicher "Post-Punkrock"-Kapelle, die
auf diesem Sektor gerade beliebt sein mag. Kein
Wunder also, dass die Truppe in ihrem Heimatland
schon als steigender Stern gehandelt wird.
»Die Resonanzen waren bisher alle sehr gut, auch
wenn es eine Weile gedauert hat, da uns viele
Fans natürlich zunächst mit unseren vorherigen
Bands verglichen haben. Mittlerweile akzeptiert
man uns aber als das, as wir sind: eine
Kick-ass-Punkrock/Hardcore-Band, die mit Feuer
und Leidenschaft spielt.«

Womit THE BLUEPRINT - wie gesagt - auch dezent
Gefilde streifen, die bei turnbejackten
Alternative-Jüngern momentan durchaus angesagt
sind. Doch Karl winkt ab:
»An irgendwelchen aktuellen Mode-Erscheinungen
sind wir nicht interessiert. Wir sind keine
Teenies mehr und hören und spielen schon so
lange Musik, dass wir keine solche auf der Hand
liegenden Einflüsse haben wie diese ganzen
neuen, gleich klingenden Bands.«

Schön wäre es, THE BLUEPRINT auch mal auf
deutschen Bühnen zu erleben, was der Sänger
gleich zum Anlass eines Aufrufs nimmt:
»Wir würden sehr gerne in Deutschland spielen.
Während der Tourneen, die Earthtone 9 damals mit
Fear Factory, Soulfly und Pitchshifter gemacht
haben, hatte ich immer eine großartige Zeit bei
euch. Wir müssen lediglich eingeladen werden,
dude! Wenn also irgendwer eine Tour für uns
buchen will, soll er sich an unseren
Booking-Agenten unter jmagency@aol.com wenden.«

Erbarmt sich bitte jemand?

[Mit freundlicher Genehmigung des Rock Hard]

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