Statistisch gesehen hat (fast) jeder im vereinigten Königreich eine Platte von The Beautiful South im Schrank stehen. Ist ja auch kein Wunder, konnte die Band doch einige ihrer Alben ohne Umschweife auf Platz eins der britischen Charts hieven. Mittlerweile ist der legitime Nachfolger der Housemartins nun auch schon 18 Jahre tätig. Eine lange Zeit, die besonders die Briten genutzt haben, um diese Band in ihre Herzen zu schließen. Nun gibt es mit „Superbi“ neues Futter für die Ohren.
Der geneigte Hörer sollte sich schon mal darauf einstellen, dass es bei dem aktuellen Werk einige (Ver-)Änderungen gibt. Der ursprüngliche britische Pop ist nicht mehr ganz so präsent. Der ein oder andere wird hier vielleicht staunend die Lauscher aufstellen. Schon der Opener „The Rose Of My Cologne“ ist alles, nur nicht britisch. Americana und Alternativ-Country nennt man das wohl. Ja, Holla die Waldfee. Ein Blick ins Booklet verifiziert die ganze Geschichte: Banjo, Dobro, Mandoline haben Einzug in den Klangkosmos der Band um Paul Heaton gehalten. Allesamt Instrumente die man nicht unbedingt als erstes mit britischen Musikern in Verbindung bringt. Die Single „Manchester“ verfolgt diesen Weg (leider) nicht weiter, sondern geht fast schon als klassischer Track dieser Formation durch. Beim anschließenden „There Is A Song“ wird der Weichspülergang noch mal hoch geschaltet. Belanglos und überflüssig. Schade, die anfänglich Freude über die wohltuende Richtungsänderung ist nun komplett verflogen. Besser wird es danach leider nicht, die Musik kommt einfach nicht aus den Puschen.
Die Kurve kriegt die Band aber noch mal in der zweiten Albumhälfte. Egal ob „When Romance Is Dead“, „Meanwhile“ oder „From Now On“, hier macht der Silberling richtig Spaß. Die Stärken der Band, plus die eine oder andere Prise amerikanischer Einschlag, gepaart mit Streichern ergeben dann doch noch eine runde Geschichte, Zum Teil wird eine melancholische und romantische Atmosphäre verbreitet, ohne in den klischeehaften Kitsch abzudriften. Sehr fein, wäre ja auch eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, wenn die Band irgendwo in der völligen Belanglosigkeit dümpeln würde.
Fazit: Neuerungen, Spannung und Abwechslung hat „Superbi“ jede Menge zu bieten. Dafür Daumen hoch, denn man hätte hier auch auf Nummer sicher gehen können und einfach Altbewährtes aufwärmen können. Sehr löblich, dass hier ein anderer Weg eingeschlagen wurde. Leider sind nicht alle Momente der Platte gänzlich gelungen, aber was nicht ist, kann beim nächsten Album ja noch werden, die gewählte Richtung ist sicher noch ausbaufähig. Auf der anderen Seite überwiegen hier dann doch die schönen bis großartigen Momente, was unter dem Strich zwar kein herausragendes Album macht, aber es kann ja nicht nur Meisterwerke geben, eine Punktlandung tut es auch mal.