Rezensionen

The 411: Between the Sheets

(Epic / Sony Music)

Autor: JK / Wertung: 7.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von The 411 - Between the SheetsDer Musikgeschmack von Arbeitskollegen (ganz allgemein gesprochen) ist oft eine Bürde. Ich habe da zuletzt eine Menge durchmachen müssen. Erst musste ich musikalischen Unfug der Marke "Felicita" oder "Ti amo" über mich ergehen lassen - und dann kam Karneval. Ich hatte gerade die Stelle gewechselt; Altweiber war mein erster Arbeitstag und mein 29 Jahre alter Büronachbar genoss tatsächlich die Berichterstattung von WDR4. Unglaublich, oder? Worauf ich hinauswill, ist, dass man beim täglichen, oft aufoktruierten Radiokonsum eine Masse von Songs hört, diese aber aufgrund mangelnden Interesses gar nicht zuordnen will oder kann.

So. Und vor einiger Zeit landete die neue Platte von The 411 in meinem Briefkasten. Vier offensichtlich Soul-affine Kommerz-Schönheiten rekeln sich auf dem Cover und mir schwante schon früh Schreckliches. Und klar, die ersten beiden Songs "On my Knees" und "Teardrops" habe ich schon dutzendfach über den Äther rauschen gehört. Es ist einfach diese Penetranz, mit der die immer wieder gleichen Songs gespielt werden. Beispiel gefällig? "Vertigo" von U2 etwa fand ich beim Hören gar nicht so übel, mittlerweile würde ich Bono für diesen Song am liebsten die Fresse zertrümmern. Egal, zurück zu The 411.

Wenn man den ersten Schock überstanden hat, wird’s aber seltsamerweise erträglicher. Im Hintergrund spielt eine offensichtlich professionelle Band, die Songs wie "China Girl" oder "My Friend" zu richtigen Schwofern macht. Dass das Songwriting okay ist, ist allerdings kein Wunder. Zeichnet sich dafür schließlich Dianne Warren (Celine Dion, Tony Braxton, Tina Turner, Whitney Houston, Aerosmith) verantwortlich. Der Marcia Griffiths-Klassiker "Jumpin’" erscheint sogar im extrem movenden Reggae-Gewand. Guter Song.

Also: Teilweise ist diese Scheibe echt in Ordnung, groovt sogar phasenweise. Schlimm ist allerdings, dass die Mädels das Album nach ihrem Lieblingstitel "Between the Sheets" benannt haben - denn der ist in der Tat der allerschlimmste Schmalz.

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