Rezensionen

Suidakra: Caledonia TIPP

(Armageddon Music / Soulfood)

Autor: Ex-Redakteur / Wertung: 11.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Suidakra - CaledoniaSuidakra sind zurück - zurück mit einem neuen Album und mit neuem Sound. Für viele war ja das letzte Werk "Command to Charge" gewöhnungsbedürftig, andere kritisierten es als Abkehr von den bewährten Suidakra-Pfaden und Nachlaufen hinter einem Modetrend namens Metalcore. Nun, diese Zeiten sind vorbei, Suidakra klingen wieder wie Suidakra und das im Grunde noch viel besser als vorher. Die Mischung aus Deathmetal, Folkelementen und geilem Groove machen "Caledonia" zum Besten, was die Band bisher produziert hat.

Auch reine Folkstücke sind dabei und diese werden mit Inbrunst zelebriert. Manchem Die-hard-Metalfan mag das zu kitschig sein, ich finde es sehr gut und durchaus stimmig im Gesamtkonzept des Albums. Zu hören sein werden diese Stücke möglicherweise bei den geplanten Akustikgigs im nächsten Jahr. Für die sonstigen Liveauftritte stehen die Zeichen eher auf Sturm, denn den entfacht ein großer Teil des Albums ganz zweifellos.
Was auffällt, ist, dass wieder mehr Geschwindigkeit in den Songs steckt. Zwar gibt’s es nach wie vor die gewohnten Midtempo-Banger, allerdings geht’s auch öfters mal flotter zur Sache. Langeweile kommt also mit Sicherheit nicht auf.

Marcel Schönen, langjähriger Gitarrist und als Sänger für die cleanen Parts zuständig, ist dauerhaft zurück in der Band. Sein Anteil am Songwriting ist sehr hoch und betrifft in erster Linie den Folkeinfluss. Auch die Geschichte des Albums, das als Konzeptalbum aufgebaut ist, geht auf ihn zurück.
"Caledonia" ist die Geschichte der Pikten, also des Volkes, das zur Zeit der römischen Invasion den nördlichen Teil Britanniens bewohnte. Durch die eindringenden Römer wurden sie immer weiter nach Norden gedrängt, nicht allerdings ohne erbitterten Widerstand zu leisten. Ein Höhepunkt dieses Kampfes war die fast völlige Auslöschung der IX. Legion der römischen Besatzer.
Marcels Stimme passt sehr gut und erweist sich als recht wandelbar, so beindruckend voluminös klang er bis jetzt noch auf keinem Album. Im Zusammenspiel mit Arkadius Antoniks aggressivem Gesang entsteht so ein stimmiges Gesamtbild, das durch diesmal häufig eingesetzte Dudelsack-Passagen wunderbar abgerundet wird. Auch die Gitarrenarbeit kommt sehr variabel daher, knallharte Riffs, die sich fast augenblicklich im Ohr festsetzen gibt es da genau so wie verträumte Akustikparts. Da braucht sich die Rhytmussektion aber nicht zu verstecken, Lars Wehners Drumming ist abwechslungsreich und wie immer sehr intensiv und Marcus Riewaldt darf seine Qualitäten als Bassist ebenfalls deutlich demonstrieren.
Besondere Erwähnung verdient das wirklich gelungene Cover-Artwork, für das wieder der Belgier Kris Verwimp verantwortlich zeichnet.
Als Anspieltipps zu empfehlen ist unbedingt "The IXth Legion". Das ist der absolute Höhepunkt des Albums. Hier ist wirklich alles ausgezeichnet. Das ist so ein richtiger Suidakra-Song anno 2006. Da werden keine Gefangenen gemacht, das geht gnadenlos nach vorne. Bei den 2/4 Marscheinlagen kann man sich richtig vorstellen, wie die Trupppen aufeinander zu ziehen. Und der geschickt eingesetzte Dudelsack sorgt zusätzlich für Stimmung.
Also, wer Suidakra bereits kennt, muss dieses, meiner Meinung nach beste Album der Bandgeschichte, unbedingt im Regal stehen haben. Wer die Band kennenlernen möchte, findet keinen besseren Zugang zur dieser leider all zu oft unterschätzten Band.

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