Sex Museum gammeln mit ihrer “Fly By Night” schon seit ein paar Wochen in meinem Haufen mit den zu rezensierenden DVDs rum und bisher habe ich noch nicht wirklich die Lust gehabt, mich mit diesem Machwerk auseinander zu setzen, weil ich diese Formation als ziemlich schlecht in Erinnerung habe.
Heute habe ich mich dann endlich getraut oder besser gesagt aufgerafft, die Silberscheibe in den DVD - Player geworfen und festgestellt, dass ich den Spaniern gedanklich schon ein bisserl Unrecht getan habe. Wirklich schlecht sind sie nämlich nicht, allerdings von der Musik her ziemlich belanglos, oder wie würde Kollege Dümpelmann sagen? Entbehrlich! Und das ist der Grund, warum sie mir nicht in zumindest guter Erinnerung geblieben sind und damit wird sich auch mit gerade rotierender Live-DVD nicht viel ändern. Zwar bringt das spanische Quartett ihre 70ies angehauchte Rockmusik handwerklich recht ansprechend rüber, aber von den Songs an sich her fliegt das meiste doch eher ohne großen Wiedererkennungswert an meinen Gehörgängen vorbei (gut, „Whole Lotta Rosie“ lässt mich ganz kurz aufhorchen, was sich aber die Spanier nicht wirklich auf ihr Konto gutschreiben können), was das Urteil „entbehrlich“ auch hier deutlich bestätigt. Aber gut, es wird auch den ein oder anderen geben, der auf 70ies Rock steht, der dieser Combo etwas abgewinnen kann. Über Musikgeschmack lässt sich ja bekanntlich tagelang nicht streiten.
Losgelöst vom musikalischen Geschmack gibt es aber einen wesentlichen Negativkritikpunkt: Sex Museum und / oder ihr Label Locomotive scheinen den Sinn eines Mediums wie der DVD noch nicht wirklich verstanden haben. Hey Leute, aufwachen! Der gemeine Käufer ist heute – was die Ausstattung einer DVD betrifft – ziemlich verwöhnt. Da reicht es nicht, einfach ein Konzert von 2003 auf ne Silberscheibe zu pressen und dann zu denken, man hätte die ultimativ kaufenswerte DVD geschaffen. Wo sind weitere Soundoptionen? Warum sind Kameraführung und Licht auf dem Konzert so amateurhaft? Wo bleiben (synchronisierte oder mindestens untertitelte) Interviews? Was ist mit Bildergallerien? Diskographie? Biographie? Backstage-Gimmicks (okay, davon haben sie ein paar in die Songüberleitungen eingebastelt)? Nein meine Herren, so nicht! Das war zu Zeiten von Video-Kassetten okay, aber heutzutage wünscht man sich definitiv mehr für die sauer verdienten Euroten! Vor allem, wenn man sich am außerspanischen Markt etablieren will, muss man dem neuen möglichen Publikum einiges mehr bieten.
Fazit: Wer Sex Museum kennt und liebt, wird möglicherweise auch sein Glück mit dieser DVD finden, wer 70ies Rock mag und diese Band kennen lernen möchte fährt mit der Doppel Live CD sicherlich besser und alle anderen machen einen weiten Bogen um diesen Release!