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Sestatee: Bohomasys TIPP

(NovaTune)

Autor: AR / Wertung: 10.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Sestatee - BohomasysWährend der TripHop etwa zu Anfang der 90er Jahre im englischen Bristol entstanden ist und mit Massive Attack, Portishead und Tricky wohl seine bekanntesten Vertreter herausbrachte, faßte der Industrial bereits Mitte der 70er Jahre, ebenfalls in Großbritannien, Fuß. Namensgeber waren hierbei Throbbing Gristle, die ihr neu gegründetes Label Industrial Records nannten und dank ihrer speziellen Soundstrukturen durchaus zu den industriellen Urväter gezählt werden dürfen - soviel zur kleinen Exkursion in die Musikgeschichte.

Sebastian Swigon aka Sestatee versucht mit Bohomasys den beiden genannten Stilrichtungen gerecht zu werden – und das mit Erfolg. Gekonnt transportiert er die für den Industrial so typische düstere Stimmung durch allerhand Klangwelten und Geräuschkulissen und peppt diese mit den melancholischen und verträumten Momenten des TripHop auf. Der sich selbst als medienscheu bezeichnende Künstler kann bereits mit einigen Erfahrungen aufwarten: so hat er mehrere Awards für die musikalische Untermalung von Kurzfilmen erhalten und bereits für Massive Attack (siehe oben!) gearbeitet.

Durch das von ihm geschaffene musikalische Szenario meint man sich in dampfenden Maschinenhallen zu wähnen, in denen ölverschmierte Metallarbeiter ihre Nachtschicht fahren. Zum Glück gibt es da aber noch die gesanglichen Einlagen einer sentimentalen weiblichen Stimme, die einen wieder auf den Boden der Tatsachen, sprich in die heimischen Zimmer, Auto, Büro oder wo auch immer hin zurückholt. Am eingängigsten kommt sicherlich ‚Paktophonica’ rüber, der weitaus harmonischer und melodischer als die übrigen sechs Tracks klingt. Als sozusagen kleines Goodie ist auf dem Album auch ein nicht namentlich erwähnter siebter Titel zu hören, der sich aber erst nach 1:28 bemerkbar macht (diese Art von Hörer-Überraschung scheint sich mittlerweile zu einem kleinen Trend zu entwickeln). Sehr gut vorstellbar ist Swigons Produktion auch als Livepräsentation in spärlich beleuchteter, aber doch heimeliger Clubatmosphäre.

Dieses Album ist vor allem TripHop-Liebhabern und denjenigen zu empfehlen, die bisher weder mit TripHop noch Industrial in Berührung gekommen sind und mal über den Genre-Tellerrand schauen wollen. Freunde des harten Industrial hingegen dürften dieses Album eher als Weichspülproduktion empfinden.

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