Am 29. März luden Wayne Harker und sein Seaweed-Projekt in den Stadtgarten Köln ein. Grund: Die lang erwartete Veröffentlichung der CD „Culture Shock“.
Als das Konzert gegen 21:30 Uhr begann, hatte sich der Laden ganz gut gefüllt. Seaweed-Frontmann Wayne gab zu Beginn schon mal die grobe Richtung des Abends vor. Die unmissverständliche Message lautete: Wir wollen Spaß haben und pfeifen auf Musikerpolizei! Mitmachen und Treibenlassen wie Seegras ist angesagt!
Noch überzeugender als diese verbale Aufforderung war das Percussion-Intro, welches das Publikum einlud, sich schon mal in den richtigen Groove einzuschwingen. Zunächst herrschte interessierte Zuhör- und Zuschaustimmung, die jedoch fix von wohlwollendem kollektivem Fußwippen abgelöst wurde.
Wie ein bunt gemixter Seefruchtcocktail präsentierte sich die chaotisch zusammengewürfelte Kombo optisch wie musikalisch.
Bis zu 13 Musiker tummelten und tümmelten sich auf der Bühne und versprühten das Flair einer Family-Session. Das Gesamtbild entsprach exakt dem CD-Cover mit massenhaft unterschiedlichen Comic-Köpfen, die beim Betrachter einen „Culture Shock“ im positivsten Sinne auslösen. Gleiches gilt für die Musik: Exotisch – laut – groovy!
Geboten wurde extrem tanzbare Popmusik mit Funk- und Reggae-Elementen, Jazz-, Blues- und Calypso-Klängen. Die meist sehr eingängigen lebendigen Melodien verrieten die Experimentierfreude Wayne Harkers, der sich biegsam wie Seegras um diverse Musikstile schlängelte. Basis blieben jedoch südafrikanische Einflüsse, die seine kulturelle Identität verrieten.
Fetzige Bläsersätze eines Sax-Posaune-Trompete-Trios, ein kleiner Flötenmann aus Ghana mit Latzhose und Seegras-Frisur spielte virtuos seine afrikanische Flöte, viel Percussion sorgte für einen stetig fröhlichen Tanzrhythmus.
Kombiniert wurde die Dancebeat-Ethnomucke mit politik- und sozialkritischen – teils gerappten, teils gesungenen - Texten, die nicht nerven, weil die Musik stets im Vordergrund steht. Auch die teilweise melancholischen Songs waren sehr rhythmusgeprägt und bewiesen, dass man auch Schwermut leidenschaftlich zelebrieren kann. Begleitet wurde der Frontsänger von zwei Background-Damen, die wundervolle Vokalharmonien und schräg-schöne Dissonanzen sangen, welche sich herrlich aneinander rieben.
Um noch mehr Abwechslung in den musikalischen Rahmen zu bringen, brachten uns drei von Seaweed eingeladene Iraki die folkloristische Musik ihres Landes näher und verbreiteten, wie angekündigt, eine „Bombenstimmung“.
Plötzlich sprang das türkische „spunky red hot lover girl“ auf die Bühne und gab mit beschwörendem Blick Soli auf ihrer Quetschkommode zum Besten, deren Tasten so vergilbt waren wie Walfischzahn-Elfenbein.
Das anfängliche zaghafte Fußwippen steigerte sich im Laufe des Abends bei vielen Leuten noch zu ausgelassenem Tanzen. Spätestens bei der Nummer „Fire Burn“ ging die Party richtig los: „So this is all for the ones for the seaweeds floating under the seawater”…Message angekommen.
Homepage:
http://www.seaweed.de.com/
Konzertfotos
http://www.muehlhausetc.de/seeweed/