Den Namen Pete Doherty bringen nur noch die wenigsten mit Musik in Verbindung. Mittlerweile beherrscht er dafür die Klatschspalten der Boulevardpresse und ist tagtäglich immer wieder auf ein Neues eine Meldung wert. Schade eigentlich, denn musikalisches Talent hat er ohne Zweifel, welches aufgrund seiner massiven Drogenprobleme aber nur noch sehr selten zum Vorschein kommt und seine Liaison mit dem Model Kate Moss auch interessanter zu sein scheint. Doherty ist zwar erst 27 Jahre alt, hat mit seinen jungen Jahren aber sicher schon mehr erlebt als so manch anderer der doppelt so alt ist. Beneidet wird er darum aber ganz sicher nicht, denn wer will schon ein Leben am Abgrund und in der Hölle führen?
In der Hölle? Ja! So kommt einem das Leben des Musikers zumindest vor - jedenfalls während der Lektüre „Pete Doherty“ von Seamus Craig. Nach Artic Monkeys, The Strokes und Kaiser Chiefs ist dieses Buch mittlerweile das vierte Werk, welches Craig für die Reihe New Sounds geschrieben und zusammengestellt hat. Klingt ein bisschen nach Massenabfertigung, auf der anderen Seite ist der Umfang mit 128-140 Seiten je Ausgabe auch durchaus so gehalten, dass man mal direkt mehrere davon in Angriff nehmen kann. Eine wissenschaftliche Abhandlung erwartet hier ja nun auch wirklich keiner.
Die musikalischen Eckdaten von Doherty sind schnell zusammengetragen. In den späten 90er Jahren gründet er zusammen mit Carl Barat die Band The Libertines, die es dann insgesamt auf 2 Studioalben bringt. Mit seiner anderen Band Babyshambles gibt es ebenfalls noch ein Studioalbum. Wer nun die Geschichte zu den Entstehungsprozessen der Songs erwartet; der wird hier enttäuscht werden. Hier geht es am Rande zwar auch um Musik und das Talent von Doherty, in erster Linie aber um sein Leben und die fragile Person hinter der Musik.
Wenn man sich die 128 Seiten so zu Gemüte führt, dann kommen einem immer wieder Assoziationen zum Buch und Film Trainspotting in den Sinn: Drogenrausch, Knast, Saufgelage, Einbruch, Entziehung, Schlägerei, Ausraster – die Liste des Horrors lässt sich beliebig fortführen. Seamus Craig gibt hier einen aufschlussreichen Einblick in das Leben des Libertine. Mit eigenen Anmerkungen hält er sich auch weitestgehend zurück. Erfreulich ist auch die Tatsache, dass Doherty nicht in irgendeiner Art und Weise verherrlicht oder entschuldigt wird, meist wird sich auf Fakten und Tatsachen gestützt und das ist auch gut so!
Die Fakten und Tatsachen sind freilich schon bekannt, will sagen, neue Erkenntnisse und Ereignisse gibt es hier natürlich nicht zu berichten. Wie denn auch? Hat „unser“ Hauptdarsteller für Geld doch schon so ziemlich jede Geschichte über sich an die Presse verkauft. Dieses Buch hier ist vielmehr eine Zusammenfassung der Ereignis, eine Art „Was bisher geschah“. Sehr flüssig zu lesen ist die ganze Geschichte und für den eingeräumten Platz auch erstaunlich informativ.
Die gelungene Optik runden den äußerst positiven Gesamteindruck des Buches ab. Der Leser bekommt hier zusätzlich noch jede Menge Bildmaterial geboten. Die Aufmachung und Gestaltung ist ebenfalls sehr geglückt, da kann man bei einem Preis von 9,90 EUR nicht meckern. Qualität zum kleinen Preis, wo gibt es das sonst noch? Wer sich gerne selber ein Bild von Pete Doherty machen möchte, ohne ein psychologisches Diagramm geliefert zu bekommen, der sollte hier zugreifen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Mann sein Leben und sich selber wieder in den Griff bekommt. Ich für meinen Teil wüsste nämlich gerne, wie die Geschichte weitergeht und da wäre es schön, wenn man in naher Zukunft wieder von musikalischen Großtaten eines gesunden und cleanen Pete Doherty liest und hört!