Es gibt wohl kaum eine andere Band, die dieses Jahrtausend so eine Hysterie ausgelöst hat wie The Strokes. Was wurden da nicht alles für Superlative durch die Medien gejagt. Manche sprachen von den Rettern des Rock and Roll, andere sahen in ihnen sogar die beste Band seit den Beatles. Als legitime Nachfolger von The Velvet Underground wurde die Band auserkoren. Die Jungs avancierten schnell zu Lieblingen der Massen. Fans, Journalisten, Berühmtheiten und selbst die Klatschpresse hat die fünf New Yorker in die Herzen geschlossen. Endlich war da wieder eine Band, über die zu berichten es sich lohnte. Erinnerungen wurden wach. Hatten wir das nicht schon alles ein Jahrzehnt zuvor? Gab es da nicht schon mal eine Band, die als Retter des Rock und des guten Geschmacks galt? Auch wenn die Musik von Nirvana mit der von den Strokes sicher so viel zu tun wie der 1FC. Köln mit der Meisterschaft 2006/7. Trotzdem sind sich die beiden Bands näher als es vielleicht auf den ersten Blick den Anschein hat. Der Hype war jedenfalls bei beiden immens groß und jeweils hat die stagnierte Musikwelt auf sie gewartet.
Hype ist die eine Sache, Substanz eine andere. Bei den New Yorkern ist jedenfalls eine Menge davon vorhanden. Die Jubelschreie kamen ja nicht von ungefähr und das Debütalbum „Ist This It“ dürfte immer noch das wichtigste Album der 00er Jahre sein. Trotz all dem drum herum war die Band immer authentisch. Dreckiger und rotziger Rock and Roll, gepaart mit einer mitreißenden Live-Show und fertig war die neue Superband. Natürlich ruft eine solche Popularität auch jede Menge dubiose Gestalten auf den Plan. Jeder möchte ein Stück vom großen Kuchen haben und natürlich fleißig mitverdienen.
Seamus Craic versucht nun mit dem schlicht betitelten Buch The Strokes den Aufstieg der Band nachzuzeichnen. Man sollte das 128 Seiten Buch allerdings nicht unter dem Gesichtspunkt einer Biographie sehen und bewerten, denn dann kann das Urteil nur vernichtend ausfallen. Es dürfte ja einleuchten, dass eine komplette Bandhistorie einen etwas anderen Umfang haben müsste. Wer sich tiefgehende Abhandlungen über die Entstehung und Hintergründe der Songs erwartet, der liegt mit der Anschaffung von diesem Buch sicher komplett daneben. Wer allerdings eine kurze und skizzenhafte Beschreibung über den Aufstieg der Strokes lesen möchte, der ist hier goldrichtig. Die wichtigsten Eckdaten der Band werden hier kurz angerissen ohne dabei allzu sehr in die Tiefe zu gehen. Dies verleiht dem Buch zum Teil einen etwas abgehackten Stil, reicht aber durchaus für einen ersten Einblick in die Geschichte der Strokes. Wer sich freilich als Fan der Band bezeichnet, der wird hier natürlich keine neuen Erkenntnisse erlangen. Logischerweise reicht der Platz auf 128 Seiten auch nicht für Kritik und so schreibt der Autor fast ein bisschen zu überschwänglich über die Band.
Der eigentliche Kaufanreiz liegt hier sowieso woanders – die Photos. Egal ob von Konzerten und Presse Shootings oder privaten Bandbildern, da dürfte doch auch das ein oder andere Schmankerl für selbst eingefleischte Fans dabei sein. Hinzu kommt die schöne Aufmachung des Teils. Das fadengeheftete Buch kommt im schönen Kunstdruckpapier und ist durchgehend in Farbe. Bei einem Preis von 9,90 EUR gibt es hier eigentlich nichts zu meckern. Man sollte nur nicht den Fehler machen und The Strokes unter der Voraussetzung eine Autobiographie zu erhalten, käuflich erwerben, denn dann wird es eine herbe Enttäuschung. Wenn man das ganze Werk aber als Bildband mit zusätzlichen Informationen betrachtet, ja dann funktioniert das Buch hier hervorragend.