Schtimm aus Norwegen dürften bei uns mehr oder weniger nur den Insidern bekannt sein, dabei ist seit der Bandgründung im Jahre 1998 nun auch schon einige Zeit ins Land gegangen. Auch das erste Album “T A C” hat nun schon fast sechs Jahre auf dem Buckel. Die Kritiken waren seinerzeit auch durchaus wohlwollend bis sehr gut. Eine größere Aufmerksamkeit soll der vierköpfigen Band nun endlich mit ihrem neuen Longplayer „Time, Space and Other Stories“ zuteil werden. Darf man dem Label Glauben schenken, dann sollte es auch klappen. Überschwänglich wird da die Platte als die wunderbarste bisher beschrieben - „Ein Album wie das Land (Norwegen) aus dem sie kommen. Eindrucksvoll schön, überraschend wild, herzergreifend romantisch“ heißt es da. Kennt man alles, klar, aber neugierig macht es auf das Album in jedem Fall.
Aufgenommen wurde das Album in drei verschiedenen Studios. Unterstützung holte sich die Band bei zwei Produzenten. Viele Köche verderben doch bekanntlich den Brei. Nicht so hier, das Album ist erstaunlich homogen. Schtimm verzaubern den Hörer und nehmen diesen mit auf eine Reise. Auf eine Reise in eine Traumwelt und sei es nur die eigene. Kitsch? Mitnichten! Der verschrobene Avantgarde-Pop ist meilenweit davon entfernt, schafft es aber auch bei tropischen Außentemperaturen dem geneigten Zuhörer eine dicke Gänsehaut auf die Haut zu zaubern. „While Holes“ z.B. ist zum Heulen schön. Dieses tieftraurige Kleinod ist so ziemlich das Schönste seit Portishead. Wen dieses Tränental kalt lässt, dem müssen sämtliche Gefühle abhanden gekommen sein. Die Pop-Mixtur in Moll beherrschen die Vier wie zurzeit kaum eine andere Formation („From the times of Neverlegto“, „Wryeries“, „Whatever Snow Says“). Große Gesten, große Melancholie. Die Klaviatur von schmissigem Pop spielen Schtimm aber auch vorzüglich, wie z.B. bei „Dead, Sparks and Wine“. Trotz allem schlägt die Band auch mal rockigere Töne an („Same Old Circle“, „Grey Void“). Ein weiteres Faustpfand der Gruppe ist deren außergewöhnliche Sängerin. Der ein oder andere Track wird dann noch durch geschickten Einsatz einer Männerstimme veredelt und fertig ist die große (Pop-)Kunst. Keyboards, Streicher, Gitarren, Trompeten, Elemente der Klassikmusik fügen sich hier zu einer köstlichen (Musik-)Suppe zusammen.
So tief hat mich schon lange kein vermeintliches Popalbum berührt. Wer Portishead mag und die Verschrobenheit einer Björk zu schätzen weiß, wer sich nicht vor großen Melodien und Gesten abseits des Kitsch scheut und wer ein offenes Ohr für Klänge abseits ausgetretener Pfade hat, der sollte, nein, der muss hier zugreifen. Es wäre schade, wenn dieses Werk bei uns ungehört im Laden stehen blieb. Das Label hat im Übrigen hier nicht zu viel versprochen, diese Platte ist wirklich eindrucksvoll schön und herzergreifend romantisch. Ich für meinen Teil begebe mich wieder ins Tal der Tränen und gönne mir eine weitere Runde „While Holes“, dem schönsten Song des Jahres, da lege ich mich jetzt schon fest.