Rezensionen

Schattensaiten: Die Erlkönigin

(Pandoras Play)

Autor: DJ / Wertung: 7.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Schattensaiten - Die ErlköniginBeschreibung: Hell scheint das fahle Mondlicht auf die entlegene Waldlichtung. Es ist windstill und dennoch ist ein leises Säuseln in den Blättern zu hören. Ein sonderbarer Singsang. Anne und Christian schrecken auf: wo sind Daniel und Claudia? Hat ihr Verschwinden etwas mit dem unheimlichen Geräusch zu tun? Daniel und seine Freunde sind immer noch in Rigurd. Verzweifelt versuchen sie, einen Ausweg aus dieser Welt zu finden. Doch bevor sie entkommen können, treffen sie auf ein Dorf der Rigurden. Und werden um Hilfe gebeten gegen eine unermessliche Gefahr in den Wäldern. Eine Macht, die auch sie bedroht. Die Erlkönigin.

Das verflixte siebte Jahr! Gilt auch ‚das verflixte siebte Hörspiel’? Die Schattensaiten türmen sich inzwischen ganze sieben Folgen auf und vollziehen mit der vorliegenden Folge endgültig den Wandel vom anfänglichen Grusel, der mit Der Schneemann begann und noch einmal mit der vierten Folge Tödlicher Atem auflebte, hin zu jugendfreundlichen phantastischen Erzählungen mit Märchen-, Sagen und Legendenelementen. Mit Die Erlkönigin verbeugt man sich vor dem deutschen Literaturgroßmeister Goethe, kündigt aber auch an, dass es in Zukunft weitaus mehr vertraute Figuren aus bekannten literarischen Quellen geben wird.

Was mit der fünften Folge Der ewige Fremde eingeläutet wurde, findet hier konsequent Fortsetzung. Es wird Aufklärung betrieben, Geheimnisse schneller gelöst, als sie aufgeworfen worden. Freunde von schnellen Antworten kommen hier voll auf ihre Kosten, Rätselfreunde eher weniger. Die Handlung wird durchschaubar gehalten. Leider auch so durchschaubar wie ein Sieb, so dass stellenweise die Spannung schneller durchtropft, als es sich die Macher sicherlich gewünscht hätten. Dem Script fehlt es leider einfach an Überraschungen. Ob Schedoni Daniel ein Messer in den Bauch rammt oder Christian und Claudia entdecken, dass die Erlkönigin einen Verbündeten im Dorf der Rigurden besitzt, es fehlt einfach der Knalleffekt. Zumal aus der letzten Szene sich nicht wirklich etwas ergibt, entdecken doch Daniel und Anne dies durch eine Reihe sehr gezwungener Zufälle ebenfalls. Und spielt besagter Verräter im weiteren Handlungsverlauf gar keine Rolle mehr.

Als Hörer nehme ich die Entwicklung relativ gelassen hin, freue mich nur über das flotte Ende, dessen Fluss man auch ein wenig der gesamten Handlung gewünscht hätte. Die Schattensaiten nehmen inzwischen starken Kurs auf gemütliche, harmlose Hörspielunterhaltung, die dem eigenen Anspruch einer spannenden Mystery-Hörspielserie leider nicht mehr gerecht wird. Hier liegt aber kein Mangel an Ideen vor, sondern der Mangel ist eher bei der Umsetzung zu suchen.

Weiterhin muss man immer noch die Sprecherleistung kritisieren. Gerade die Hauptfiguren leiden immer noch an merkwürdiger Betonung (besonders Charakter Christian scheint von Folge zu Folge mehr unter Stimmbruch zu leiden und auch Bösewicht Schedoni klang zu Beginn der Serie wesentlich überzeugender), präsentieren aber bei den Outtakes einen gewöhnlichen, authentischen Ausdruck. Die Nebenfiguren Rijanna und Airike schlagen sich mit dieser Problematik nicht rum und klingen wesentlich natürlicher als das eingespielte Team. Gute Stimmen für Hörspielfiguren besitzen aber eigentlich alle Sprecher. Das Stimmenspiel bleibt dennoch Gewöhnungssache.

Persönlich bewegen sich die Schattensaiten immer mehr in eine Richtung, mit der ich selber – was sich kaum verbergen lässt – eher weniger anzufangen weiß. Mit den Serien Chronologie der letzten Tage und Kassandras Kinder hat das Label allerdings bewiesen, dass es sowohl im Bereich Sprecher als auch bei den Geschichten selber mehr zu leisten imstande ist. Da es wie sonst keine Vorschau auf kommende Abenteuer gibt und auch noch kein Titel für Folge Acht vorliegt, gönnt man der Serie Schattensaiten vielleicht erst einmal eine kreative Pause. Kann sie gebrauchen, wie ich finde.

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