Dass Sascha Gutzeit eine gewisse Sympathie für Schienen, Schotter und Eisenbahnen hegt, hat er ja schon bei Nummern wie Richtung Bahndamm bewiesen. Die Großstadtpoesie des Wuppertaler Rock Originals trägt ihn schließlich immer wieder zu den Gleisen - vielleicht weil seine Wohnung bisher zu klein für eine ausgedehnte Modelleisenbahnstrecke war. Unten Am Depot setzt auch diese Tradition fort. Aufgenommen wurden die Songs in einem alten Triebwagen im Straßenbahmmuseum Wuppertal-Kohlfurth, was bei aufgedrehtem Lautstärkepegel selbst zuhause den Eindruck erweckt, dass die Musiker direkt in der Bude lärmen. Unterstützt wird dieser Eindruck noch durch die anscheinend wenig wenn überhaupt nicht nachbearbeiteten Stücke, wo auch mal ein spontaner Spruch oder ein erneutes Anzählen nicht rausgeschnitten wurde.
Mit anderen Traditionen wurde auch nicht gebrochen. Sascha sinkt immer noch gerne von der großen, von der einen Liebe. Und wenn man die Stücke auf Untem Am Depot, die mit dieser Liebe gefüllt sind, zusammenzählt, dann scheint er sie endgültig gefunden bzw. endgültig für sich erkannt zu haben. Ich meine sogar die Hochzeitsglocken läuten gehört zu haben.
Bei so viel Augenzwinkern und Küßchenzuwerfen richtet sich natürlich auch der musikalische Weg der Platte entsprechend aus. Im Gegensatz zum lauten, rauen immer woanders dominiert auf Unten am Depot eher ein leiser, sanfter Gesamtton - und das liegt nicht daran, dass auch etwas die Gewalt der Studiotechnik fehlt. Vielleicht ist Unten am Depot diesmal sogar etwas zu ruhig ausgefallen. Zumindest für den, der es gerne etwas deftig-rockend mag. Zum Ende hin scheint es einfach ein Kniefall zu viel zu sein.
Abwechslung bringen in den Minnesang aber immer noch locker erzählende Stücke wie Ich bin die Vorgruppe, in der Sascha wieder sein Sein als Musiker sprechen läßt, das erinnernde Damals in Lakeview oder die Phantasie Boogie in Zagreb. Und als gelungen kann auch die Hinzunahme von Blasinstrumenten bezeichnet werden, die die Higlights der Platte zu unterstreichen wissen.
Während ich vor allem den Vorgänger immer woanders richtig geil finde, höre ich Unten am Depot eher gerne. Starke Harmonien und die typische Gutzeit-Straßenlandschaft-Poesie (inklusive Küsse auf nackte Hintern) gibt es zwar zuhauf, aber gesamt betrachtet fällt Unten am Depot doch etwas schwächer aus.