Und wieder einmal sticht das alte Piratenschiff Running Wild unter dem Kommando von Kapitän Rolf in die metallischen Weltmeere, um Ruhm und Ehre zu erlangen. Die Planken ächzen leise, die Taue spleißen langsam aus und ein mittlerweile leicht fadenscheiniges Segel flattert im Wind und doch schafft es die alte Lady noch, Fahrt aufzunehmen. Der ganz große Glanz des ehemals neuen ist zwar wie bei allem irdischen leicht dahingegangen, ist allerdings auch einer gewissen Zuverlässigkeit gewichen.
Apropos Zuverlässigkeit: Kapitän Rock’n’Rolf hat sein automatisches Navigationssystem in Form des Drumcomputer über Bord geworfen und verlässt sich nun lieber wieder auf menschlich-handwerkliche Zuverlässigkeit, denn mit Matthias Liebetruth an den Drums hat ein neuer Steuermann angeheuert (neu im Bezug auf das Album, denn auf der Brotherhood Tour war Liebetruth ja bereits an Bord). Viele Fans des Hamburgers wird es freuen, denn gerade der Drumcomputer wurde in den letzten Jahren bemäkelt. Dem Sound von Running Wild hat es definitiv gut getan, auch wenn mir persönlich das klangliche Gesamtbild alles in allem immer noch ein wenig zu steril ist. Klar einerseits kann ich es verstehen, dass man sich die Zügel nicht gerne aus der Hand nehmen lässt, wenn man ein Unternehmen wie Running Wild jahrelang liebevoll gehegt, gepflegt und erhalten hat, allerdings denke ich auch, dass ab und an ein bisserl Input von außen in dem Bereich der Sache ganz gut täte. Beim Thema Songwriting verhält es sich mit meiner Meinung ähnlich. Grob gesagt gibt es natürlich an den insgesamt 11 Songs nicht all zu viel auszusetzen, allerdings gibt es auch wenig, was an dieser Stelle besonders positive Erwähnung finden müsste. „Rogues En Vogue“ klingt halt nach einem typischen Running Wild Album, allerdings ohne die frische Brise vergangener Großtaten zu versprühen.
Fazit: Mit „Rogues En Vogue“ bietet Rock’n’Rolf seinen Fans ein solides und traditionelles Running Wild Album, mit dem die Anhängerschaft sicherlich leben kann, auch wenn selbst in diesem Kreis die Rufe nach ein bisserl mehr Innovation in der letzten Zeit lauter werden. Die Treuesten der Treuen werden hier sicherlich eh einen Testlauf riskieren und einen Kauf in Erwägung ziehen, Gelegenheitspiraten müssen den essentiellen Alben sicherlich kein weiteres hinzufügen und frisch rekrutierte Matrosen heuern lieber im ‚Black Hand Inn“ in „Port Royal“ an, um „Under Jolly Roger“ erste Seefahrten zu absolvieren. Eingefleischte Landratten sollen machen, was sie wollen… von mir gibt’s – mit viel und auch nur aus Respekt vor einer Metal Institution – 7 Piratenwimpel!