Rezensionen

Rammstein: Völkerball

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 9.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Rammstein - VölkerballWenn es eine Band gibt, an der sich die Geister scheiden, die sich aber im In- und Ausland aller größter Beliebtheit erfreut und Alben wie blöde verkauft und Konzerte in den größten Sälen und Stadien spielt, dann handelt es sich hier zweifelsfrei um Rammstein. Was wurde nicht schon alles über die Band geschrieben. Oftmals wurden die Bandmitglieder in die rechte Ecke gestellt und als Doofköppe betitelt. So einfach kann man es sich natürlich nicht machen, da sollte man auch ein wenig Recherche betreiben und schnell wird man feststellen, dass die einzelnen Mitglieder eher aus der linken Punk-Szene kommen, zumindest waren sie früher in Bands dieses Genres aktiv. Sänger Tim Lindemann spielte z.B. bei First Arsch Schlagzeug, „Flake“ war bei Feeling B. aktiv, Christoph Schneider drosch bei Die Firma auf die Felle und Oliver Riedel bediente den Bass bei Inchtabokatables.

Natürlich kokettiert und spielt die Band mit einigen Symbolen, die man zumindest hinterfragen kann und je nachdem auf falsch verstehen. Provokation heißt hier das Zauberwort. Die Band selber kommentiert ihr Auftreten und die Symbolik freilich nicht und so bleibt es dem Betrachter bzw. Zuhörer selbst überlassen, welche Schlüsse er daraus zieht. Das Handeln der Band war allerdings auch nicht immer glücklich, man denke da nur an das Video zu dem Depeche Mode Klassiker „Stripped“, der Streit mit einer deutschen Rammstein-Fanpage oder mit einem Radiosender. Trotz allem war der Erfolg von Rammstein in Europa und selbst den USA riesengroß und so dürfte die Band mittlerweile als einzig relevante aus Deutschland angesehen werden. Auch hierüber kann man natürlich streiten, aber der Erfolg spricht da Bände.

Überzeugen kann man sich davon jetzt auf der DVD/CD „Völkerball“. Die DVD enthält die 19 Tracks des Konzertes aus Nimes in Frankreich, dazu noch vier Songs der Brixton Academy London, drei aus Tokyo und ein Special, welches den Auftritt in Moskau dokumentiert, alles auf dem Jahre 2005. Insgesamt gibt es knapp 140 Minuten Rammstein visuell zu bewundern. Wenn bei einer Band das Drum und Dran fast wichtiger als die Musik ist, dann wohl bei dieser. Unweigerlich zieht einen diese DVD in den Bann. Die Location und das Ambiente in Frankreich sind nicht alltäglich, also wie geschaffen für einen Auftritt dieser Combo. Was dann folgt sind nicht nur 103 Minuten volle Lotte auf die Ohren, sondern auch besonders für die Augen. Hier knallt und brennt es, dass es jedem Pyromanen feucht um die Augen werden dürfte. Die Show ist alles, da wird marschiert, das R gerrrrrollt und allerlei Zeugs abgefackelt, Requisiten gibt es in Massen. Man sitzt auf dem heimischen Sofa und kann sich dem Bilderrausch und dieser großen Theatershow gar nicht entziehen. Die Musik ist hier nur schmuckes Beiwerk. Natürlich gibt es auf der DVD, wie auch auf der CD all´ die großen Hits zu hören und sehen. Die Massen flippen dazu völlig aus, angefeuert durch die Band. Besonders bizarr wird es dann, wenn es für die Japaner kein Halten mehr gibt und „Du Hast“ lautstark und textsicher(!) mitgegrölt wird. Das selbe Bild gibt es im Übrigen auch in London und Moskau zu bewundern. Teilweise weiß man als Betrachter gar nicht, wo man zuerst hingucken soll. Präsentiert wird das ganze natürlich in amtlichem Sound und perfekt umgesetzten Bildmaterial, da kann (entsprechende Heimanlage vorausgesetzt) auch zu Hause Konzertatmosphäre aufkommen. Auch die CD kann in bestem Klangerlebnis genossen werden, da gibt es nichts zu meckern.

Fazit: Also für den geneigten Rammstein-Fan dürfte „Völkerball“ nicht nur Anlass zur Freude sein, sondern regelrecht die Tränen in die Augen treiben. Von der Aufmachung des Booklets und der Verpackung (ausgeklappt übrigens ein Kreuz, ein Schelm, wer dabei Böses denkt), über die bildliche und filmische Umsetzung des Konzertes in Frankreich, die Specials, den Sound bis hin zur CD stimmt einfach alles. Hut ab, da hat sich wirklich einer Mühe gegeben und nicht versucht, die Fans mit einem Schnellschuss das Geld aus der Tasche zu ziehen. Aber auch Nichtfans dürfen hier mal durchaus reingucken und sich unterhalten lassen, hier ist es fast schon egal, ob die Musik gefällt oder nicht, der Bilderrausch alleine reicht schon aus.

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