Hm, ich komm mit dem Infotext der Plattenfirma nicht zurecht! „Kraftvoller US Style Thrash Metal mit einem leichten semi progressiven Anstrich“, soso! Also hab ich mich auf Musik a lá Forbidden, Death Angel oder Testament eingestellt, aber was schallt da aus meinen Boxen? US Prog/Power Metal und in keinster Weise Thrash. Musikalisch bewegen sich die Herren in der Schnittmenge zwischen aggressiveren Fates Warning, Dream Theater und nicht ganz so abgedrehten Watchtower.
Um in dieser Musikrichtung bestehen zu können, muss man ein handwerkliches Können an den Tag legen, dass zwölf bis siebzehn Klassen über dem Durchschnitt angesiedelt ist und da ich das Debüt der Band nicht, aber die Vorgänger Band Psychosis (leider) kenne, hat mich „Continuum“ sehr positiv überrascht.
Trotz aller Komplexität, steht bei den Musikern glücklicherweise immer der Song im Vordergrund und nicht der Wunsch, so viele Breaks oder Riffs in wirrer Reihenfolge abzuliefern. Auffällig ist die Tatsache, dass nur der Opener „The Way It Ends“ die fünf Minuten Grenze überschreitet, was für progressive Bands mehr als ungewöhnlich ist. Durch diesen Umstand setzt auch nicht die, manchmal beklemmende, Langeweile ein, die mich bei vielen Bands beschleicht, die versuchen komplexe Soundgebilde über Zehn oder noch mehr Minuten aufrecht zu erhalten. Die Halbballade „Devotion“ oder der härteste bzw. schnellste Song der Platte „Synthespian“, auf den zum entspannen das Instrumental „Sea Of Tranquility“ folgt, zeigen sehr gut die technischen und songschreiberischen Fähigkeiten der Jungs aus Kalifornien. Für mich aber das absolute Highlight auf „Continuum“ ist der letzte Song „Cold Is This God“, bei dem man, besonders im Gesang, einige Thrashanleihen entdecken kann. Für viele Hörer wird gerade der Gesang eine Hürde sein, denn Sänger/Gitarrist Vince Levalois hat kein Ausnahmeorgan wie zum Beispiel Ray Alder, sondern kling manchmal wie eine Mischung aus Peavey Wagner (Rage) und James Hetfield in jungen Jahren. Diese etwas rauere Stimmlage verhilft den Songs aber auch zu einer gewissen Erdigkeit, die manchen Bands mit Ausnahmesängern absolut abgeht. Gutes Beispiel sind leider die Herren von Dream Theater, wobei ich James LaBrie für nicht wirklich herausragend halte.
Prototype schnüren mit „Continuum“ ein nettes Bündel, das bei Fans von komplexerer Metallmusik für Freude sorgen dürfte. Auch die Tatsache, dass sich Neil Kernon (Nevermore, Queensryche usw.) für den Mix und Travis Smith (u.a. Opeth, Iced Earth) fürs Artwork verantwortlich zeigen, wird bestimmt keine negativen Auswirkungen in der Szene haben. Es bleibt nur zu hoffen, dass genug Menschen der Band eine faire Chance geben. Denn auch wenn sie nicht so vertrackt erscheinen, haben sie manch abgehalfterten Szeneriesen vieles an Kreativität, Frische und vor allem an Power voraus. Das kleine Bochumer Label Metal Axe hat sich jedenfalls keine schlechte Band gegriffen und ich freu mich darauf, von den Jungs mehr zu hören. Auch hoffe ich, dass sie bald einen Drummer finden, denn ich würde gerne mal die Live Umsetzung der Stücke genießen.
Rezensionen
Prototype: Continuum TIPP
(Metal Axe Rec. / Point Music)
Autor: CF / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
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