Nein, kein Elektroalbum, „Meds“ klingt nach früher, ist aber dennoch kein Rückschritt. Genauso wenig ist es der Griff zum absoluten Stadionrock-Ruhm. Dazu sind Songs wie „Space Monkey“ oder „Broken Promise“ viel zu vertrackt. Hier wurde Wert gelegt auf die Songauswahl und auf Atmosphäre. Die typischen Placebosongs sind mit „Infra-Red“ oder „Drag“ an Bord, die ruhigeren Sachen kommen am Schluss und alles zusammen macht zufrieden. Nicht vollends glücklich, aber zufrieden. Alles ist stimmig, Michael Stipe und Alison Mosshart bringen interessante Aspekte ein und dreizehn nette und einfallsreiche Songideen reihen sich aneinander. Brian Molko macht einen kleinen Schritt aus dem Rampenlicht heraus, Schlagzeuger Steve Hewitt macht besonders mit „Because I Want You“ einen hinein und so (oder dennoch?) gelingt ein Album, wie ein Fan es sich wünscht, oder nach „Without You I’m Nothing“ gewünscht hätte. Schmerz, Düsternis, Drogen und Selbstmitleid, alles wie gehabt. Unter anderem entpuppen sich „Space Monkey“, „Because I Want You“ oder „One Of A Kind“ als sehr gut. Den Vogel haben Placebo damit aber nicht gerade abgeschossen.
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Placebo: Meds
Autor: Ex-Redakteur / Kommentare: Bisher keine
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Rezensionen
Placebo: Meds
(Virgin UK / Emi)
Autor: schlimm / Wertung: 8.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine
Kinder, wie schnell die Zeit doch vergeht. Eben noch hatte man vor lauter Bewunderung den Mund offen stehen und musste lobend anerkennen, dass „Without You I’m Nothing“ wohl eines der besten (alternativen) Alben der 90er ist und schwupps sind mit einem Wimpernschlag acht Jahre vergangen. In dieser Zeit ist viel Wasser den Rhein runter geflossen und die Band, um die es hier geht, ist immer noch im Geschäft und das mehr als je zuvor. Placebo gehören mittlerweile zu einer der wenigen Bands, die sich eine weltweit recht ansehnliche Fanbasis aufgebaut haben. Qualität setzt sich halt doch manchmal durch. Nein, über Nacht wurde der Dreier sicher nicht in den Status von Superstars gehoben, dahinter steckt viel Arbeit und die Jungs haben sich auch den sprichwörtlichen Arsch abgetourt. Der vorläufige Höhepunkt dürfte eine ausverkaufte Südamerika-Tour gewesen sein. Nun biegt die Band also mit ihrem fünften Studioalbum um die Ecke und wie man hören konnte, wollte die Band ja den elektronischen Ansatz noch weiter ausbauen und verfolgen. Oha!
Geschrieben wurde „Meds“ im Sommer 2004 in Südfrankreich und aufgenommen innerhalb von vier Monaten im Jahre 2005 in den Rak Studios. Zur Seite stand der Band mit Dimitri Tikovoi ein relativ unbekannter Produzent. Moment, da war doch mal was? Richtig! Tikovoi zeichnet sich seinerzeit für die grandiose Arbeit an Placebos Coverversion von „Running Up That Hill“ aus. Hinzu kommt dann noch, dass mit Alison Mosshart von The Kills und besonders mit Michael Stipe zwei große Kaliber als Duettpartner zur Verfügung standen. Alles Fakten die bei „Meds“ auf Einiges hoffen lassen. Allerdings auch Fakten, die die Erwartungen in schon fast nicht zu erfüllende Höhen geschraubt haben. Um es mal gleich vorwegzunehmen, „Meds“ erfindet das Rad nicht neu. Seltsamerweise scheint dies DAS Placebo Album schlechthin zu sein. Nein, es ist sicher nicht das beste Album der Jungs, aber was hier herauskam ist abermals Placebo wie man sie kennt und schätzt! Puh, verdammt gut zu wissen.
Der erste Song und gleichzeitig der Namensgeber des neusten Werkes ist Placebo in Höchstform, das Duett mit Alison Mosshart lässt doch auf mehr hoffen. Mit „Infra-Red“ geht es dann mit schon fast Standard Repertoire weiter. Schon jetzt fällt auf, dass die Gitarren, Bass und Drums wieder mehr im Vordergrund stehen, von wegen Elektronik. Auch „Drag“ rumpelt und pumpt in schönster Rockmanier, natürlich immer im Placebo-Kosmos. „Space Monkey“ lässt dann erstmalig richtig aufhorchen. Der düster vorgetragene Sprechgesang erinnert doch sehr stark an Marilyn Manson! Mit „Follow The Cops Back“ schlägt die Band dann erstmalig ruhigere Töne an, sehr schön. Placebo vertonen Melancholie wie kaum eine zweite Band. „Post Blue“ ist dann einer dieser Midtempo-Nummern, wie man sie von der Band schon mehrfach gehört hat. Was schon zur Hälfte des Albums klar sein dürfte ist, dass die Vorsätze mehr elektronische Pfade einzuschlagen über Bord geworfen wurden. Und ganz ehrlich, ich halte das für den richtigen Weg, denn nach „Kid A“ von Radiohead sollten alle anderen, ursprünglich im Rockbereich angesiedelten Bands aus dem vereinigten Königreich, noch ca. 20 Jahre damit warten. Natürlich gibt es auch auf „Meds“ den ein oder anderen elektronischen Ton zu vernehmen, aber eher dezent. Was noch auffällt: Die Songs müssen erarbeitet werden, sprich, sie setzen sich nicht sofort im Ohr fest.
Die zweite Hälfte wird dann mit „Because I Want You“ eingeläutet, einer Nummer die ziemlich schnell nach vorne geht. Bei „Blind“ schlagen die Drei dann wieder die ihr ganz eigene Melancholie an, die im anschließenden, ebenso traurigen wie wundervollen „Pierrot The Clown“ ihren vorläufigen Höhepunkt findet. Danach kommen verhaltene Pianoklänge aus den Boxen und eine Stimme, die ebenso unverkennbar ist, wie die von Brian Molko. Bei „Broken Promise“ gibt sich kein Geringerer als Michael Stipe die Ehre am Gastmikro. So ruhig wie der Track anfängt, so dynamisch ist er doch im Refrain, ganz großes Kino! Bei „One Of A Kind“ wird das Gaspedal zwar wieder etwas zurückgenommen, aber trotz allem geht es immer noch bei voller Fahrt weiter, immer Vollgas ist auf Dauer ja auch langweilig, auf die Nuancen kommt es an. Danach folgt allerdings ein abrupter Stopp, denn „In The Cold Light Of Morning“ ist ein tieftrauriges Stück. Den Abschluss bildet dann die schon bekannte Single „Song To Say Goodbye“.
Mit „Meds“ wird das Rad sicher nicht neu erfunden und das Album ist auch ganz sicher nicht das beste Album der Band. Aber was sagt das schon aus? Eben! Rein gar nix, denn dafür ist das bisherige Schaffen von Placebo auch einfach zu stark. Dieses Album hier will erarbeitet werden und kann durchaus als solide und erwachsenes Werk bezeichnet werden. Solide? Erwachsen? Ja, aber das ist hier durchaus als Kompliment zu verstehen und steht nicht für die negativ behaftete Seite dieser Wörter. Placebo überzeugen mit einem weiteren gelungenen Album und je öfter man die Songs hört, umso mehr Freude hat man an ihnen. Ich freue mich auf die Liveumsetzung der Stücke und das ist für mich persönlich immer ein Gradmesser, ob ein Album gelungen ist oder nicht. Die Band wird in ihrem Heimatland oftmals ja immer etwas stiefmütterlich behandelt, aber mal sehen, wer da den längeren Atem hat und wie viel dieser zur Zeit hoch gelobten Bands nach 10 Jahren und 5 Alben immer noch da sind.
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