Rezensionen

Peeping Tom: Peeping Tom TIPP

(Ipecac / Soulfood Music)

Autor: schlimm / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Peeping Tom - Peeping TomViele wollen es sein, viele verkaufen ihre Musik unter dem Banner alternative oder Independent Musik. Die Wirklichkeit sieht dann oft anders. Mike Patton ist wohl einer der wenigen Künstler, der durchaus als Star bezeichnet werden kann, der aber trotz allem immer sein eigenes Ding gemacht hat und unabhängig von allen Trends, Modeerscheinungen und sonstigen Strömungen war. Nein, der Mann lebt und arbeitet in seinem ganz eigenen Kosmos und hat uns, dem geneigten Hörer, schon den ein oder anderen schwer verdaulichen Brocken um die Ohren gehauen. So manches Abstruses kam dabei zum Vorschein, aber unter der Oberfläche gab es auch immer sehr viel Schönheit zu entdecken und dann darf man eines auch nicht vergessen, gesanglich spielt Mike Patton in seiner ganz eigenen Liga, da dürfte er unangefochten immer wieder auf ein Neues den Weltmeistertitel verteidigen. Kann er dies nun auch mit Peeping Tom?

Das neuste Projekt des Stimmakrobaten wurde ja immer mal wieder angekündigt, nun steht es endlich in den Läden. 11 Tracks und ein jeder mit einem anderen Duettpartner und schon alleine die Auswahl der beteiligten Künstler macht unheimlich neugierig. Man hörte ja viel über Peeping Tom und angeblich sollte es so was wie die Popplatte von Patton werden. Er selber sagte ja dazu, dass dies die Musik sei die er selber gerne im Radio hören würde. Ich kann dazu nur raten „Holzauge sei wachsam“. Für den Maßstab eines Mike Patton mag es sogar Popmusik sein, aber seien wir mal ehrlich, die vorliegenden elf Kompositionen eignen sich für vieles, aber nicht für das Formatradio und das ist verdammt gut so. Massentauglichkeit kann man dem Album auch nicht gerade attestieren, aber es ist schon richtig, dies sind die zugänglichsten Songs seit sehr, sehr langer Zeit. Man muss an dieser Stelle einfach die Band erwähnen, durch die der Mann seinen Starruhm erlangt hat Faith No More, denn dieses Projekt hier ist verdammt nah dran an dieser Band.

Auf verbale Schrei-Exzesse wird hier zum großen Teil verzichtet, ja sogar richtig eingängig kommt die ganze Geschichte aus den Boxen. Hier wird dem Hörer ein bunter Gemischtwarenladen irgendwo zwischen Rock, Rap, Latin, Elektronika, Drum and Bass und HipHop vor den Latz geknallt. Erstaunlich gut klappt hier das Zusammenspiel von Mike Patton mit seinen Gästen wie z.B. Rahzel, Kool Keith, Massive Attack oder einer Norah Jones. Was noch auffällt ist, dass Mike Patton hier wieder den Gesang für sich entdeckt hat, hier dürften Fans von Faith No More Tränen des Glücks in den Augen stehen haben. Die Strukturen sind nach dem Schema „Strophe-Refrain-Strophe“ aufgebaut. Wann hat man dies in letzter Zeit von Patton so geboten bekommen? Eben! Lange ist es her.

Peeping Tom ist wohl das zugänglichste Album von Mike Patton seit einer Ewigkeit, aber es ist nicht minder spannend als alles was der Mann sonst so macht. Das Teil hier macht einfach Spaß, die ganze Scheibe kommt aus einem Guss, die 11 Songs sind sehr homogen, sind aber trotz allem keine 0815 Kost, hat aber auch nicht wirklich einer erwartet, oder? Übrigens passt die Scheibe gerade hervorragend zum warmen Wetter. Ein Sommeralbum von Patton? Macht euch euer eigenes Bild. Als Fazit bleibt festzuhalten, dass Peeping Tom eine überdurchschnittlich gute Platte ist und vielleicht als Faith No More minus Gitarren plus Elektronik/HipHop-Beats bezeichnet werden kann. Ob Mike Patton damit den Weltmeistertitel verteidigen kann? Nun, er kommt damit zumindest in das Endspiel und ja, dies hier ist in der Tat alternative und Independent Musik!

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