Lange musste die Anhängerschaft von Pearl Jam warten bis die Band wieder eine Europa-Tour ankündigte. Letztendlich sind sechs lange Jahre in das Land gezogen. Dementsprechend ausgehungert war in unseren Breitengraden die Fanschar. Zu Pearl Jam braucht man (hoffentlich) nichts mehr erklären. Der Ruf als legendäre Live-Kapelle eilt den Jungs voraus und das absolut zu recht.
Am 29.08. stand dann erstmal Arnheim auf dem Tourplan. Erwähnenswert an dieser Stelle ist das Procedere für die ganz treue Kundschaft und Mitglieder des Ten Clubs bzw. solche, die ihre Tickets darüber bezogen haben. Einlass ist für diese eine Viertelstunde früher. Dadurch ist die ganze Atmosphäre extrem entspannt, da die so genannten „Hardcore-Fans“ so auf jeden Fall einen Platz in vorderster Front sicher haben. Stellt sich die Frage, warum bei Bands dieser Größenordnung so ein Vorgehen nicht zum Standard gehört, man denke z.B. nur an das Chaos, welches bei der letzt jährigen U2 Tour herrschte.
Um 19.30 ging es dann mit der Vorgruppe Wolfmother los. Von nun an hatte man 45 Minuten zu überstehen, die man besser für andere Dinge genutzt hätte, als dieser Formation zu lauschen. Ist sicher immer Geschmackssache, ich für meinen Teil kann mit dieser Band absolut nichts anfangen. Besondere Live-Qualitäten waren für mich da auch nicht auszumachen. Die Mischung aus viel Led Zeppelin und ein wenig Doors (allerdings beides in schlecht) ist spätestens nach 2 Minuten absolut nervig. Die Stimmung in der Halle war auch eher gemäßigt, man könnte auch von Desinteresse sprechen. Verschwiegen werden sollte an dieser Stelle aber nicht, dass es durchaus auch hier und da wohlwollende bis begeisterte Besucher gab, warum auch immer…hat sich mir jedenfalls nicht erschlossen.
Danach war die (An-)Spannung in der Halle förmlich körperlich greifbar. Nach einer halbstündigen Umbaupause betraten sie die Bühne. Mit dem genialen „Release“ ging es los. Einen besseren Auftakt hätte es für den Schreiber dieser Zeilen nicht geben können – perfekt! Vor geschätzten 30.000 Zuschauern rockten Pearl Jam dann das Haus. Insgesamt lag der Fokus an diesem Abend bei den etwas schnelleren Stücken. Höhepunkt auf Höhepunkt sollte folgen. Egal ob „Insignificance“, „Jeremy“, „Given To Fly“, „Even Flow“ oder dem Arschtritt „Lukin“, würde sagen, Punktsieg auf ganzer Linie. Im Zugabenteil überraschten die Jungs dann mit „State Of Love And Trust“ oder aber auch dem wunderschönen „Man Of The Hour“. Garniert wurde dieser Teil dann noch mit „Leash“, „Alive“ der grandiosen Coverversion von „Rockin’ In The Free World“ und dann noch „Yellow Ledbetter“ als Abschluss. Bei über zwei Stunden Spielzeit zeigte Pearl Jam wo der Hammer hängt und legte die Messlatte für sämtliche Live-Konzerte dieses Planten extrem hoch. Eigentlich war mit dieser Show die Messe gelesen und wenn man denkt, es geht nicht besser, ja dann kommt schon der nächste Tag und Antwerpen steht vor der Tür.
War die Show und das Set in Arnheim schon ein Traum, so sollte es in Antwerpen noch mal eine Steigerung geben und zwar eine gewaltige. Worte zu Wolfmother braucht man an dieser Stelle nicht verlieren, siehe Arnheim. Die Atmosphäre in der Halle war schon eine ganz andere, da die Location in Antwerpen doch wesentlich besser für Konzerte geeignet ist. Mit Superlativen sollte man ja immer vorsichtig sein, erst recht so kurz nach dem Erlebten. Trotz allem kann ich für mich schon jetzt festhalten, dass das Pearl Jam Konzert in Antwerpen mit Sicherheit zu meinen persönlichen Konzerthöhepunkten gehört, die ich je erleben durfte. Die Steigerung zum Vortag war noch mal nahezu 100%. Die Band präsentierte sich in einer super Spiellaune, die Setliste war ein Traum und das Publikum ging ab ohne Ende. Das schöne an dieser Band ist immer wieder, dass man zwei Abende hintereinander eine komplett andere Setlist geboten bekommt und nie weiß was passiert. Insgesamt wurden an beiden Abenden über 40 Songs gespielt, bei welcher Band gibt es das sonst? Absoluter Gänsehautmoment war „Black“ wo das Publikum (gefühlte) Minuten das Zepter übernahm und die Band mit offenen Münder staunend in das weite Rund blickte. Eddie Vedder zeigte immer wieder an, dass er eine riesen Gänsehaut hat und wischte sich dabei die ein oder andere Träne aus den Augen. Große Freude gab es auch bei dem absoluten Knallersong „Crazy Mary“. Das ruhige „Iniffernce“ lies Platz und Zeit zum durchatmen und träumen. Ein weiterer Höhepunkt an diesem Abend war für viele sicher „Hunger Strike“. Der Song wird ja nicht gerade jeden Abend gespielt. Den Part von Chris Cornell übernahm Andy von Wolfmother. Das war nicht unbedingt die beste Idee, denn der gute war doch etwas indisponiert und hatte schon die ein oder andere Flüssigkeit und/oder Substanz in seinem Körper, die seiner Performance nicht unbedingt gut getan hat. Der entgeisterte Blick von Mike McCready dazu war Gold wert. Danach gab es noch eine Hammerversion von „Baba O´ Riley“ und „Yellow Ledbetter“ bei vollem Saallicht. 2Std.30Min. Pearl Jam pur. Ein Konzert wie es besser nicht sein könnte. Man muss es an dieser Stelle mal erwähnen: Diese Band ist sicher einer der besten, wenn nicht sogar DIE BESTE Liveband der Welt. Ich habe zu danken und verneige mich in Ehrfurcht. Danke auch an die wilden Wutze und alle die dabei waren, es war großartig!