Leicht gemischte Gefühle bleiben bei einem zurück, wenn der letzte Ton der insgesamt 16 Songs auf Paul Gilbert’s aktueller Veröffentlichung „Acoustic Samurai“ verklingt. Einerseits weiß die Scheibe durchaus zu gefallen, andererseits besitzt sie eklatante Schwächen, die kaum zu tolerieren sind.
Zum Setup: Mr. Big Kult-Gitarrist Paul Gilbert gab sich am 3. Juli 2003 mit seinem Kollegen Linus of Hollywood (nein, dieser Künstlername ist es nicht, der diese Scheibe so runterreißt!) ein Stelldichein im Hard Rock Cafe Tokyo, wo die beiden ein gepflegtes Akustik-Set zum Besten gaben. Musikalisch ein wirklich gelungener Mix aus eigenen Songs vergangener Alben und Coverversionen zeitloser Klassiker, der – welch Zufall – sogar mitgeschnitten wurde. Und genau hier liegt das Problem: Zwar ist der Mitschnitt eines solchen Events im Prinzip immer begrüßenswert, allerdings sollte dieser Mitschnitt, so man ihn denn nun zu kommerzialisieren gedenkt, auch einigermaßen professionell klingen. „Acoustic Samurai“ will aber irgendwie so gar nicht professionell klingen, vielmehr hat man das Gefühl, dieses Konzert wurde über 2 Raum-Mikros und ein einigermaßen passables Aufnahmegerät für die Ewigkeit konserviert. Das bedeutet konkret: das Publikum ist vom Verhältnis zur Musik her zu laut und die Musik an sich klingt blechern trocken. Diese arge Publikumsnähe hat zwar bei diversen Zwischenrufen und Gesangseinlagen der versammelten Mädchenhorden durchaus ihre charmanten Momente, ist aber auf die gesamte Laufzeit betrachtet doch letztendlich störend. Lediglich die beiden letzten Songs dieses Albums „Maybe I’ll Die Tomorrow“ und „Always For Alison“ können vom Sound her überzeugen, was aber nicht schwer fällt, denn diese beiden Nummern wurden im Studio eingespielt.
Fazit: Ich höre „Acoustic Samurai“ inzwischen recht häufig und vor allem sogar gerne, was vor allem an den präsentierten Songs an sich liegt, tu mich aber schwer, hierfür eine Kaufempfehlung auszubrechen, denn Leute, die ein gewisses Klangniveau gewohnt sind und auch selbiges von einer 2003er Produktion für ihr sauer verdientes Geld verlangen, dürften sich hier schwer tun. Songmaterial 10 Punkte, technische Darbietung 12 Punkte und Sound 2 Punkte – gemittelt würde das 8 Punkte ergeben, aber ich glaube, ich enthalte mich mal lieber einer Wertung nach Punkten. Wer an der Platte Interesse hat, sollte jedenfalls vor einem Kauf definitiv exzessiv hineinhören.