Rezensionen

Oomph: Glaube Liebe Tod

(Gun/Sony BMG)

Autor: DJ / Wertung: 9.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Oomph - Glaube Liebe TodMit Oomph muss man erst einmal abschließen, um Oomph erneut für sich entdecken zu können. Ach was haben wir geknatscht, als die Wolfsburger Augen auf veröffentlichen haben, was haben wir mit dem Topseller Wahrheit oder Pflicht gehadert und uns schließlich bestätigt gesehen, dass Oomph auch 2006 wieder auf Top of the Pops Einsätze und Massenverkäufe schielen. Und dann ist doch wieder alles anders und doch so, wie man es erwartet hat.

Defekt und Wunschkind muss man einfach einmal vergessen, das ist vorbei, das wird es nicht mehr geben. Das Trio hat sich für einen wesentlich eingängigeren Stil entschieden, die Songs sind trotz aller Härte Studentenfutter für die Ohren. Die erste Single Gott ist ein Popstar geht schneller ins Ohr, als man sich etwas davor halten kann. Und selbst ein Oomph-Hasser, wie die Frau, die nachts neben mir (im Schlaf) spricht, kommt nicht umhin, unbewusst mit zu pfeifen. Und auf der Platte Glaube Liebe Tod gibt es noch reichlich mehr davon. Zahlreiche Nummern wandern ohne Mühe in die Lauschlappen und klammern sich dort tagelang fest. Man mag es ja eigentlich anders, will sich seine Platte erarbeiten. Diesen langen Weg schlägt man bei Oomph heutzutage nicht mehr ein.

Bis auf einige Ausnahmen fällt dies aber nicht mehr ins Gewicht, denn dafür ist das Material einfach zu gut. Die Single Gott ist ein Popstar und Du willst es doch auch (erinnert stark an Augen auf) einfach mal außer Acht gelassen. Melodiös, aber knallig sind sicherlich Attribute, die auf Nummern wie Das letzte Streichholz, Träumst du oder Ich will deine Seele zutreffen. Erweitert wird die Mischung aus schleppenden Nummern (Land in Sicht), Elektronik (Dreh dich nicht um), Zitaten (Die Schlinge) und stark metal-lastigen Tracks (Mein Schatz). Highlight der Platte ist aber sicherlich die experimentelle Vertonung des Kästners Gedicht Eine Frau spricht im Schlaf. Schön düster, stark von Sänger Dero vorgetragen – so macht Literatur Spaß!

Auch wenn die Thematik der Platte ein wenig abgenutzt erscheint, kann man Glaube Liebe Tod durchaus weiter empfehlen. Einfach mal kein Musik-TV mehr gucken und die Band vielleicht unvoreingenommen noch einmal auf der kommenden Tour live anchecken.

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