Rezensionen

Neil Young & Crazy Horse: Live At Fillmore East TIPP

(Reprise / Warner)

Autor: schlimm / Wertung: 10.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Neil Young & Crazy Horse - Live At Fillmore EastDas Jahr 2006 dürfte für Fans und Liebhaber von Neil Young ein ganz besonderes sein. Im Mai gab es ja schon das vorzügliche kleine Meisterwerk „Living With War“ (Review ist auch bei uns zu finden) und nun öffnet der Meister auch noch sein umfangreiches Archiv. Lange musste der geneigte Hörer darauf warten, nun endlich wurden die immer lauter werdenden Rufe danach erhört. Und gleich gibt es mit „Live At Fillmore East“ ein ganz besonderes Schmankerl. Die Aufnahmen dazu datieren vom 6. und 7. März 1970. Kenner der Szene dürften spätestens hier bemerkt haben, dass es sich dabei nur um die legendäre Original-Besetzung von Crazy Horse handeln kann. So ist es auch, Ralph Molina, Billy Talbot, Danny Whitten und Jack Nitzsche bilden das Line-Up. Die Auftritte fanden seinerzeit im legendären, von Konzertpromoter Bill Graham betriebenen Fillmore East in New York statt.

Die Band war zu der Zeit „On The Road“ um das viel gefeierte und beachtete Kleinod „Everybody Knows This is Nowhere“ dem Live-Publikum vorzustellen. An den beiden Abenden im März 1970 spielte Young im Übrigen auch jeweils zwei Shows. Sein Solo-Akustik Set findet auf der vorliegenden CD aber keine Beachtung, hier geht es nur um Crazy Horse. Das ist auch verdammt gut so, dass das Augenmerk und der Fokus nur auf einen Auftritt gerichtet wird, denn die beiden Sets sollten auch getrennt voneinander betrachtet werden.

Insgesamt verteilen sich sechs Songs auf einer Spielzeit von knapp 45 Minuten. Nein, das ist nicht zu wenig, sondern genau richtig! Los geht es mit dem Titelsong der (damals) aktuellen Langrille „Everybody Knows This is Nowhere“. Sehr druck- und kraftvoll schält sich das Stück aus den Boxen. Die über 3 ½ Jahrzehente, die diese Aufnahme auf dem Buckel hat, hört man hier nicht. Überhaupt fällt die absolut tolle Klangqualität von „Live At Fillmore East“ auf. Wenn man jetzt bedenkt, was da alles noch so in den Archiven schlummert, kann man schon mal nervös werden und eine Veröffentlichung kaum noch erwarten. Auf der anderen Seite verwundert dies bei Neil Young auch nicht weiter, ist doch bekannt, dass der Mann allerhöchste Ansprüche an den Sound stellt und auch so seine liebe Not mit dem Zeitalter der CD hat. Weiter geht es dann mit dem sehr schönen und knackigen „Winterlong“ bevor es mit „Down By The River“ eine ausufernde und spannende Version dieses Klassikers gibt. Young und Crazy Horse laufen hier wirklich zur absoluten Höchstform auf.

„Wonderin´“ zeigt die eher countryeske Seite der Band. Auch diese Klaviatur haben die Jungs perfekt beherrscht. „Come On Baby Let’s Go Downtown“ sticht danach heraus. Den Song verfasste Young zusammen mit dem tragischerweise an einer Überdosis Heroin verstorbenen Gitarristen Danny Whitten. Schmerzlich wird hier dem Zuhörer noch mal bewusst, welchen kongenialen Partner Young damals verloren hat. Herausragend! Den sechsten und letzten Track gibt es dann mit dem wiederum ausufernden „Cowgirl In The Sand“. Auch hier legt die Band eine Spielfreude an den Tag, dass es eine wahre Wonne ist.

Fazit: Das Warten hat sich gelohnt! Es stellt sich einzig und alleine die Frage, warum das grandiose „Cinnamon Girl“ hier nicht verewigt wurde?! Ansonsten bleibt nur zu hoffen, dass Neil Young der Welt weitere Einblicke in sein Archiv gewährt. Sollten weitere auch nur annähernd so gelungen ausfallen wie „Live At Fillmore East“ wäre es viel zu schade, wenn diese ihr Dasein hinter verschlossenen Türen fristen würden. Vorzüglich, was dem Hörer hier geboten wird! Die Höchstwertung kann bei diesem Werk nur deshalb nicht vergeben werden, da es ja auch noch einen Puffer nach oben für weitere Archiv-Veröffentlichungen geben muss, dies ist ja hoffentlich erst der Anfang. Unverzichtbares Zeitdokument und essenziell für jede anständige Musiksammlung!

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