Rezensionen

Neaera: Let the tempest come TIPP

(Metal Blade/SPV)

Autor: R@Z€ / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Neaera - Let the tempest comeWas für ein furioser Einstieg passend zum Albumtitel! Und auch Song 1,“Mechanisms of standstill”, scheint bei Neaera die Maxime gewesen sein. Hier ist Fortschritt im Stillstand angesagt. Zählte in den 80er und 90 Jahre noch die “Dritte Album Regel” - bist du Flop oder Top-,,so reduziert sich dies heutzutage scheinbar schon auf die zweite Scheibe. Klang die Band “der Frauenversteher”auf ihrem Debüt für meine Begriffe noch etwas unausgegoren und verloren im Metal(Core)-Zirkus, hat sie unerwarteterweise genau diesen Weg beibehalten, als neuen Stil für sich entdeckt, sogar perfektioniert und zeigt damit allen Nörglern eine neue Spielart metallischer Tonkunst auf. Fast alle bisherigen Trademarks wurden beibehalten und aufgewertet, sodass man sich auch weiterhin von wahrlich starken Bands, wie Maroon, Caliban, Heaven Schall Burn oder Deadlock, aus dem eigentlichen Genre wohltuend abheben kann. Black Metal Blastbeat fügt sich nahtlos ins Coregefüge, wird zwischendurch mit ein wenig melodiösen Heavy Metal Roots verfeinert und endet schlußendlich immer im Death Metal. Es ist wirklich verblüffend wie diese ganzen Elemente miteinander auch ohne Cleangesang oder Synthesizer harmonieren. Trotz des kontrollierten Gebolzes und Gescheppers bleibt noch genügend Platz für die eine oder andere Gitarrenspielerei oder harmonische Leads; erreicht damit sogar manchmal majestetisch anmutende Gefilde, wie z. B. bei “Paradigm lost” oder “Heavenhell”. Paten sind hier sehr schwer auszumachen, auch wenn immer wieder Immortal-epische Melodieführungen oderganz fiese Breakdowns mit darauffolgendem Kataklysmgrooves neuzeitlicher Machart auftauchen. Drummer Sebastian Heldt ragt mit einzigartigem Getrommel heraus und wird nur noch von Sänger Benny Donath getoppt, der alldem die Krone aufsetzt. Als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan, als frisch gekelterten Rost zu trinken, krächzt er wie Kristoffer Olivus oder blökt wie ein zweiter Bo Summers. Mit Metalcore hat diese Scheibe nicht mehr viel am Hut, dennoch hat sich die Band im Wirrwarr des Musikbiz eine eigene kleine Nische ausgesucht und scheint bei Metal Blade bestens aufgehoben. Versehen mit einer schönen Verpackung, coolen Songtiteln und einem klaren Sound aus den dänischen Hansen Studios, welche bereits für Schandtaten von Communic und Fear My Thoughts verantwortlich zeichnen, kanns für die Mannen aus Münster nur bergauf gehen. Für mich ganz klar Top und kein Flop. Ihr müßt dieses Album ab 7. April einfach nur noch selbst antesten und mindestens dreimal den Song “The crimson void” hören, bevor es glatte 10 Dots zündet.

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