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Nasum

Autor: SD / Kommentare: Bisher keine

Bild von NasumWie die meisten LEser mitbekommen haben
dürften, gilt NASUM-Mainman Mieszko A. Talarczyk
als verschollen, als er sich in Thailand mit
seiner Freundin in Urlaub befand, als die
FLutkatastrophe passierte. Seine Freundin ist
lebend aufgetaucht, von ihm fehlt nach wie vor
jede Spur. So ist es natürlich ein trauriger
Anlass für die Veröffentlichung dieses Artikels,
der noch mal verdeutlicht, was für eine
synphatische Person dieser Krachmacher ist.

Sie sind quasi die Speerspitze des
zeitgenössischen Grindcores an NASUM kommt man
als Freund extremen Geknüppels schon seit
einiger Zeit schlichtweg nicht vorbei. Das
berüchtigte "verflixte dritte Album" hatten sie
mit ihrem letztjährigen Hyperspeed-Donnerschlag
"Helvete" bravourös und Song-orientierter denn
je hinter sich gebracht. Mit der aktuellen
Scheibe „Shift“ schaffen es die Schweden meiner
persönlichen Meinung nach zwar nicht, besagten
Vorgänger zu toppen, legen aber dennoch ein
weiteres Meisterstück an musikalischer Rasanz
und Zerstörungskraft hin, das seines Gleichen
sucht. Der Name NASUM dürfte also noch eine
ganze Zeit lang in aller Munde bleiben, auch
wenn sich viele Grind-Fans bis heute fragen, wie
man ihn denn nun eigentlich ausspricht und was
er zu bedeuten hat.
"Das Wort ist aus einem alten, wirklich total
schlechtem Horrorfilm" klärt uns Band-Leader
Mieszko A. Talarczyk (Gitarre/Vocals) auf. "Der
Film heißt ‘Flesh For Frankenstein’. Und es geht
darum, Körperteile zu sammeln, um die perfekte
Frau zu basteln. Und jemand mit einem wirklich
schlimmen, deutschen Akzent sagt in einer Szene
‘What we have to find now, is the perfect
Nasum!’ Das benutzten wir dann als Intro bei
unserer ersten 7", als die Sache damals noch als
Side-Projekt geplant war. Also bedeutet der Name
im Grunde genommen gar nix. Mein Name ist
Mieszko und der meiner Band halt NASUM.“

Und bei seiner Band hat sich in letzter Zeit
viel getan. Zum Beispiel wechselte man in Europa
von den Extremmusik-Spezialisten Relapse Records
zum Label Burning Heart, das ja (abgesehen von
einigen Ausnahmen) eigentlich mehr auf
gemäßigtere Punkrock-Bands spezialisiert ist,
womit NASUM in deren Stall einen gewissen
Exoten-Status mitbringen.
"Wir waren mit dem Relapse-Vertrag durch und
fanden es für eine europäische Band schlauer,
auch mit einem europäischem Label
zusammenzuarbeiten. Relapse sind super für den
US-Markt, weswegen wir in den Staaten auch noch
von ihnen vertrieben werden, allerdings können
uns Burning Heart hier mehr bieten.“

Desweiteren gab es Änderungen in puncto Line-Up.
Basser Jesper verließ die Band, um sich mehr auf
sein eigenes Baby Burst konzentrieren zu können.
Neben Jon Lindqvist, dem Ersatzmann am Langholz,
holten die lange Zeit als Trio agierenden NASUM
mit Urban Skytt nun auch noch einen zweiten
Gitarristen an Board, den man bereits von der
ähnlich gearteten Krawall-Combo Regurgitate
kennt.
"Dass wir Urban jetzt in der Band haben, ist
eine wirklich gute Sache, denn es gibt mir auf
der Bühne mehr Freiheiten. Ich kann mehr Alkohol
trinken und brauche nicht perfekt spielen.“
lacht Mieszko. „Nein, ernsthaft. Er ist ein
exzellenter Gitarrist und schwer in Ordnung. Er
arbeitete übrigens mal als Lehrer für Mathematik
und Physik! Er hat damit allerdings aufgehört,
um sich auf die Musik zu konzentrieren und
spielt mittlerweile in einer Menge Bands. Als
Four-Piece sind wir nicht nur brachialer,
sondern können auch als Songwriter noch unsere
Möglichkeiten ausweiten. Wir hatten bei den
Aufnahmen von ‘Shift’ eigentlich noch nicht
darüber nachgedacht, dass wir zum Beispiel
zweistimmige Gitarren-Parts im Gegensatz zu
früher nun auch live umsetzen können. Für die
Zukunft hat uns die zweite Gitarren allerdings
definitiv noch eine Tür geöffnet “

Dabei hatte sich die Band schon bei ‘Helvete’ in
eine Richtung mit mehr Groove, Atmosphäre und
sogar Melodie entwickelt.
"Ja, bei ‘Helvete’ ist das auf jeden Fall so,
‘Shift’ ist allerdings doch wieder mehr nach
vorne und wieder mehr Grindcore. Ich dachte
auch, dass wir uns jetzt in eine eher
Groove-orientierte Richtung entwickeln,
allerdings haben wir von den 30 Songs, die wir
für das Album geschrieben haben, schon die 24
genommen, die eher in die langsamere Richtung
tendieren, und trotzdem ist die Scheibe extremer
ausgefallen, als der Vorgänger. Was mich auch
selbst erstaunt und auch irgendwie erfreut hat.
Man macht als Musiker zu einem Zeitpunkt immer
das dann bestmögliche Album. Der einzige
Unterschied ist wahrscheinlich nur, dass wir
älter werden und unsere Bierbäuche größer
(lacht).“

Im Gegensatz zu ‘Helvete’ finden sich auf der
neuen Scheibe auch wieder schwedische Titel und
Texte ein, wie man es von den älteren Werken
gewohnt war.
"Das ist nur ein Zufall. Ich glaube sogar, dass
wir für ‘Helvete’ ursprünglich auch schwedische
Songs geschrieben haben, die aber nicht
verwendet wurden, weil sie möglicherweise nicht
gut genug waren. So etwas passiert bei uns nicht
sehr bewusst. Was sich für den Song am besten
anfühlt, wird in kürzester Zeit umgesetzt, denn
ich schreibe meine Texte normalerweise dann,
wenn wir bereits im Studio sind. Wenn in Texten
irgendwelche lokalen oder nationalen Missstände
angesprochen werden, macht es manchmal auch mehr
Sinn, dies in Schwedisch zu tun.“

Aber auch internationale Politik bleibt von
NASUM-Songs nicht verschont. Dass ‘Fight Terror
with Terror’ eine Botschaft an US-Präsident
George W. Bush ist, kann man kaum übersehen…
„Da kannst Du aber einen drauf lassen, haha! Wir
haben bestimmt mindestens fünf Songs auf dem
Album, die sich gegen Bush richten. Ich versuche
dabei allerdings nicht, eine Botschaft zu
porträtieren, sondern möchte lieber eine Debatte
starten. Mag sein, dass sich mancher von den
Lyrics auch angegriffen fühlt, aber ich will
auch nicht, dass jemand dazu nur mit dem Kopf
nickt. Vielleicht möchte ich einfach nur, dass
sich mal jemand mit seinen Freunden über solche
Dinge unterhält. Ich würde gerne dazu beitragen,
dass Leute ihre Augen öffnen, und halte es für
Platzverschwendung, wenn nicht mal wichtige
Dinge angesprochen werden. Ich bin eh kein guter
Märchenerzähler, der über Schwerter und Drachen
schreibt, haha.“

Zur Musik seiner hoch gehandelten Band hat der
Gitarrist und Schreihals dabei ein eher
bescheidenes Verhältnis:
"Nun ja, wir machen nichts revolutionär neues.
Die Musik ist eigentlich sogar immer noch ein
ziemlicher Napalm Death Rip Off. Aber vielleicht
sehen Leute die Musik ähnlich wie die Lyrics als
etwas frisches, vielleicht sogar provokantes,
das Dich packen kann. Ich mochte es früher sehr,
in die Plattenläden loszuziehen, und neue
Releases mit dem Earache-Logo hinten drauf zu
checken. Es war immer sehr aufregend, neue
extreme Sachen zu entdecken. Gute Musik mit
verstörenden Lyrics und auch interessanten
Cover-Konzepten. Vielleicht schaffe ich es ja
heute auch, neuen Hörern so ein Gefühl zu geben,
vielleicht aber auch nicht."

Dies versucht Mieszko im Übrigen nicht nur als
Musiker, sondern auch als Produzent. Eine Rolle,
die er nicht nur für Grindcore-Kollegen
übernimmt, denn auch Akustik-Bands oder
poppigere Punkrocker nahmen schon seine Dienste
in Anspruch.
"Ich versuche eigentlich nur, die Band so
klingen zu lassen, wie sie klingt. Wenn ich die
Möglichkeit habe, mir älteres Material der Bands
anzuhören, versuche ich die Sachen zu
übernehmen, die ich daran mag. Meistens steht
allerdings nur eine sehr kurze Studiozeit an, in
der man lediglich Aufnahmen macht. Die
Möglichkeit, zusammen mit einer Band wirklich
kreativ zu arbeiten, ergibt sich leider nur,
wenn auch Zeit für Proben gegeben ist, wo man
ihnen unter die Arme greifen und Ideen
einfließen lassen kann. Ich versuche
grundsätzlich aber schon, jede einzelne Band
originell und eigen klingen zu lassen, anstatt
wie eine andere, bekannte Band."

Grenzen sieht er dabei erst, wenn es zu sehr ins
elektronische geht:
"Von Midi-Sequencing, oder Sachen mit zu viel
Synthesizer-Einsatz versuche ich meine Finger zu
lassen. Das ist so eine Sache, bei der ich mich
nicht gerade sehr gut auskenne, und bei der man
auch ständig auf dem Laufenden bleiben muss. Ich
mag einfach Sachen, die nur mit Drums, Bass,
Gitarre und Vocals gemacht werden. Das ist
schließlich der Kern des Ganzen. Mit
irgendwelcher Techno- oder Dance-Music kann ich
nichts anfangen."

[Mit freundlicher Genehmigung des Rock Hard]

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