Rezensionen

NMFarner: Das Gesicht

(Labels / Emi)

Autor: schlimm / Wertung: 8.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von NMFarner - Das GesichtMittlerweile sind knapp zwei Jahre seit dem Erstlingswerk „Die Stadt“ von NMFarner vergangen. Seinerzeit gab es schon einige Stimme, die von einer neuen Berliner Supergroup gesprochen haben. Trotz aller eingeheimster Lorbeeren, dürfte die Gruppe um die Mina-Mitglieder Masha Qrella, Norman Nietzsche und dem Comic-Zeichner Christian Farner bisher eher einem kleinen Kreis vertraut sein. Wer hier ein Fortführung der Berliner Indie-Popper Mina mit deutlich poppigeren Zügen erwartet, der wird enttäuscht werden. Nein, die drei Protagonisten haben einen schnellen, schrillen und lauten Weg eingeschlagen.

Nun also gibt es mit „Das Gesicht“ eine weitere Kostprobe von schönstem deutschen Punk. Auf zwölf Songs knüpfen NMFarner nun da an, wo sie mit ihrem Debut-Album aufgehört haben. Auch hier gibt es wieder Elemente und Klänge aus den Bereichen Synthie, Electro, Disco, Rock und Punk. Dieser wilde Stilmix wird einmal gerührt und geschüttelt und schon hat man die legitimen Erben der legendären Hamburger Band Die Goldenen Zitronen. Auch der Klangkosmos der Einstürzenden Neubauten ist dem Dreier nicht fremd. Der grandiose Stilmix erreicht seinen Höhepunkt dann bei den beiden Stimmen, denn eine zweite Stimme schält sich aus dem Hintergrund hervor und schiebt sich vor die vermeintliche Hauptstimme. Gemixt wird das ganze dann noch auf englisch und deutsch und fertig ist die wilde Achterbahnfahrt. Und richtig, leicht verdaulich ist die Musik mit Sicherheit nicht. Man muss sich „Das Gesicht“ wieder erarbeiten, denn hier ist die ganze Aufmerksamkeit der Hörers gefordert. Musik für die schlichte Berieselung bietet die Band hier nicht an. Auch diese Platte ist wieder mutig und NMFarner verfolgen konsequent ihren Ansatz, klingen immer leicht schräg und gehen immer voll nach vorne.

Auch auf der zweiten Scheibe finden sich wieder jede Menge Tanznummer, Slogans und Parolen, die sich prima zum Mitgrölen eignen. Einem gepflegten Durchdrehen auf der Tanzfläche steht also nichts mehr im Wege. Zuhause kann die Platte auch schon mal ganz schön anstrengend werden.

Auch bei aller Schrägheit, haben wir es hier endlich mal wieder mit spannender und aufregender Musik aus deutschen Landen zu tun. „Das Gesicht“ ist feinste Indie-Musik und dürfte alle erfreuen, die ein Ohr für Klänge jenseits von festgefahren Hörgewohnheiten haben. Als Tipp kann ich nur empfehlen die Platte öfters zu hören, denn erst nach mehrmaligen Durchläufen entfaltet und erschließt sich die Schönheit des Werkes – Musik die erarbeitet werden will.

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