Mit “Black Holes & Revelations” erscheint dieser Tage bereits das vierte Album von Muse. Kein schlechter Schnitt, möchte man meinen. Umso erstaunlicher ist der Umstand, dass die drei Vorgänger allesamt überzeugen konnten und ein jeder bis jetzt eine musikalische Weiterentwicklung darstellte. Noch erstaunlicher ist das Niveau, welches Bellamy, Wolstenhome und Howard bisher immer gehalten haben. Für mich ist dabei aber noch ein ganz anderer Umstand sehr bemerkenswert: die Jungs sind gerade in der Mitte ihrer zwanziger Jahre. Wenn ich mir das Debut „Showbiz“ anhöre steht mir immer noch der Mund offen, zu was die damals knapp volljährigen Hosenscheißer im Stande waren. Drei Jungendliche, die ihrer Zeit meilenweit enteilt waren. Dieser Eindruck verstärkte sich bei mir noch während eines Interviews im Jahre 2000. Ruhige, sachliche Menschen saßen mir gegenüber, so ganz anders als ihre Altersgenossen. Wo sollte das nur noch enden?
Nun einstweilen im Hier und Jetzt, bei „Black Holes & Revelations“. Und wieder haben es sich Muse nicht nehmen lassen uns setzen schon wieder einen drauf. Das neuerliche Werk stellt schon wieder eine Weiterentwicklung des Muse-Universums dar. Es gibt hier nicht nur wieder jede Menge zu entdecken, nein es finden sich auch (wieder mal) einige musikalische Neuerungen und Farbtupfer auf der Platte wieder. Vom Dance Sound bis zur Mariachi-Trompete reicht hier die Palette. Aber keine Angst, Muse sind natürlich immer noch Muse.
Mit den Aufnahmen wurde im Chateau Miraval begonnen, aber schnell merkte die Band, dass ein anderer Ort wohl besser geeignet wäre und so zog man um in das Electric Lady- und Avatar Studio in New York. Kein Geringerer als David Bowie soll öfters mal seinen Kopf durch die Studiotür gehalten haben und sein Wohlwollen bekundet haben. Und ja, ein leichter Hauch Bowie liegt auch über dem vierten Streich der Band. Bei dem Albumopener „Take A Bow“ haben die Jungs sämtliche Dramaturgie der Musikgeschichte hineingepackt. Sehr langsamer Aufbau mit Synthesizern um dann gegen Schluss zu explodieren – stark. Das folgende „Starlight“ mit seinem treibenden Bass und dem entrückten Pianothema ist eine recht schöne und poppige Nummer, absoluter Ohrwurm. „Supermassive Black Hole“ dürfte alle Freunde des Glam-Rock aufhorchen lassen. Höre ich da ein T-Rex Riff und evtl. einen ELO-Chor? Und dann dieser Falsettgesang. Sehr fetter Track, kommt richtig sexy aus den Boxen. Insgesamt könnte die Nummer auch von Beck zu Zeiten von „Midnite Vultures“ sein. Danach wird noch ein Schritt weiter gegangen. „Map Of The Problematique“ startet wie eine Depeche Mode Nummer um dann kurzfristig ein Gitarrenthema von The Cure aufzugreifen. Die Nummer schafft dann spielend den Spagat zwischen den typischen Muse-Gitarren und einem Dance Sound, der schon Richtung Rave geht. Eine mutige Weiterentwicklung, perfekt, wenn sie dann noch so geglückt ist. Bei der wunderschönen, knapp zweiminütigen Ballade „Soldie´s Poem“ weht ein Hauch von Queen durch.
Die zweite Albumhälfte wird dann erstmal ruhig eingeläutet. „Invincible“ baut sich langsam auf. Der Song steigert sich aber noch und geht dann sogar in ein Tapping-Solo über. Sehr starker Song. Mit „Assassin“ folgt eine treibende Prog-Rock Nummer im Stile von Tool. „Exo-Politics“ wird der ein oder andere schon kennen, wurde der Song doch schon im letzten Jahr auf der US-Tour gespielt. Interessant, wie sich der Track insgesamt seitdem weiterentwickelt hat. Solider Rocker, der Spaß macht. „City Of Delusion“ beginnt mir einer Akustik-Gitarre, steigert sich dann zu einem typischen Muse-Kracher und endet dann mit der schon weiter oben erwähnten Mariachi-Trompete. Bei „Hoodoo“ schlagen die Jungs dann ruhig Töne an, Gänsehaut ist hier auch im Sommer garantiert. Den Albumausklang bildet dann das Epos „Knights Of Cydonia“. Hier zeigen Muse noch einmal die ganze Bandbreite ihres Könnens!
Ein besonderes Augenmerk sollte hier auch auf die Texte geworfen werden. Handelt es sich doch hier um ein Labsal für Verschwörungstheoretiker, Freunde der Apokalypse, revolutionäre Geister und alle, die schon immer wussten, dass jede irdische Religion von Aliens importiert wurde. Nicht mehr und nicht weniger!
Als Fazit kann man sagen, dass Muse einfach keine schlechte Platte aufnehmen können und sich im Gegenteil immer noch zu steigern wissen und ihre Musik weiterentwickeln können. Wenn man das Alter der Drei bedenkt, dann lässt das noch auf Einiges hoffen. Spannend dürfte auch werden, wie „Black Holes & Revelations” live umgesetzt werden wird. Gut zu wissen, dass es eine Band abseits dieses Retro-Rock-Zeugs gibt, die durch ihre individuelle Klasse sich deutlich von der Masse abhebt.