Rezensionen

Monrose: Temptations

(Warner)

Autor: schlimm / Kommentare: Bisher keine

Bild von Monrose - TemptationsNeue Engel braucht das Land? Also bei aller Liebe, hat wirklich wer auf die nächste, wild zusammengeschusterte Band aus einer Castingshow gewartet? Nun gut, wenn man sich den künstlich, gleichermaßen geschickt erzeugten Hype anguckt, dann hat gerade die ganz junge Zielgruppe (in der Mehrzahl weiblich) in der Tat auf sie gewartet. Letztendlich wurde nach einem halben Jahr eine Formation gefunden. Mit Mandy, Bahar und Senna wurde sicher nicht die bestmögliche Zusammensetzung gewählt, denn ob die drei Mädels in dieser Konstellation über einen längeren Zeitraum zusammenbleiben wollen, darf dann doch stark angezweifelt werden. Gerade Senna, die stark an eine Sabrina Setlur erinnert, passt so gar nicht zu den beiden jungen Kolleginnen. Ebenso sei mal dahingestellt, ob eine vier oder fünf Köpfe starke Gruppe nicht die bessere Wahl gewesen wäre. Wie dem auch sei, es ist wie es ist, trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass die drei letzten ausgeschiedenen Damen wesentlich besser als Monrose zusammengepasst hätten. Das ist die eine Seite, die andere: Singen können sie alle und Talent haben sicher auch alle! Dies mal an die Adresse der ewigen Nörgler über dieses Format.

„Temptations“ beinhaltet nun zwölf eilig eingesungene Tracks, damit die CD natürlich auch noch schnell im Weihnachtsgeschäft an den (Weihnachts-)Mann gebracht werden kann – durchaus legitim und nicht verwerflich. Wer dies kritisiert, der sollte mal kurz innehalten und überlegen, ob nicht gerade die eigene Lieblingsband eine „Best Of“ für den Gabentisch auf den Markt geschmissen hat. Ich bin mir sicher, dass in der Mehrheit die Frage mit ja beantwortet werden muss.

Wenn man sich anguckt, wie viel Leute an der CD mitgeschrieben, -produziert und -gearbeitet haben, dann ruft das schon ein Stirnrunzeln hervor. Nach mehreren Runden der CD im Player und intensiven Hören, auch mittels Kopfhörer, kann man festhalten, dass die Mädels gut sind – verdammt gut sogar. Es ist nämlich schon ganz groß, was die Drei hier aus dem Material machen. Noch machen, muss man an dieser Stelle wohl sagen. Die Songs selber sind nämlich zum Teil für sich gesehen, Entschuldigung, ganz großer Mist. Vielleicht sollten in der Zukunft, nicht nur die Kandidaten durch eine Jury kritisiert und letztendlich gefunden werden, sondern auch die Songs. Den Schuh muss sich auch Jurymitglied Dieter Falk anziehen, der an dem Album heftig beteiligt war/ist. Das Songmaterial ist einfach nur durchschnittlich. Aber wie gesagt, Senna, Bahar und Mandy sind klasse, sie sorgen dafür, dass der Musik hier die Seele eingehaucht wird, die dieser so sehr fehlt.

Über den Albumopener muss man sicher nicht mehr viel sagen. „Shame“ ist als erste Single auf jeden Fall eine gute Wahl gewesen und dürfte sich als der Ohrwurm zum Ende des Jahres erweisen. Sehr schöner und starker Popsong. Danach wird es etwas rührselig, aber trotz allem hat „Even Heaven Cries“ einen gewissen Charme, gerade der Chorus der drei Mädels gibt dem Track die gewisse Note. Danach kommt mit „Oh La La“ der große Auftritt von Senna, die hier die Frankfurter Rapqueen geben darf. Das Lied könnte sich gut zum Tanzflächenfüller entwickeln. Auch das anschließende „No“ hat diese Qualitäten ebenso, auch wenn hier sehr offensichtlich bei En Vogue abgeguckt wurde. Bis hierhin ist „Temptations“ eine wirklich starkes Popalbum. Nun kommt ein kleiner Bruch. „Freak Ya“ plätschert so vor sich hin. „Love Don´t Come Easy“ ist anschließend nur unweigerlich besser, hört sich im Grunde so an, wie der Titel schon vermuten lässt. „Of A Kind“ kommt anschließend wieder mächtig aus den Puschen. Mit „Your Love Is Right Over Me“ gibt es dann endlich mal einen Song, wo man auch die drei Stimmen deutlich voneinander unterscheiden kann, musikalisch eher unspektakulär. Danach gibt es wieder? Richtig! Mit „Work It“ eine etwas schnellere Nummer. Bei „Do That Dance“ ist der Name Programm. Schönes Popstück, inklusive Rappart, welches zu gefallen weiß. „Live Life Get By“ dürfte der Protosong für ein solches Projekt sein und passt daher für und auf Monrose sicher perfekt. Mit „Push Up On Me“ wurde dann ein weiterer „Tanzsong“ als kleines Ausrufezeichen als Schlusspunkt gesetzt.

Fazit: Die Mädels können was! Hinter dem Pop und den gesanglichen Qualitäten von Kolleginnen wie All Saints, Sugababes oder auch einer Gwen Stefani brauchen sie sich auf jeden Fall nicht verstecken. Die musikalische Umsetzung lässt hier an der ein oder anderen Stelle sicher zu wünschen übrig und auch wenn die ganze Geschichte hier natürlich für ein großes Publikum und das Radio angelegt ist, hätte man sich doch die ein oder andere Ecke und Kante gewünscht – dafür können die Mädels aber nichts. Potenzial haben die Drei auf jeden Fall. Bleibt abzuwarten, ob sie, wenn sich der Hype gelegt hat, nicht zu ausgelaugt sind, dieses weiter auszuschöpfen. Mit „Temptations“ haben sie, Dank ihrer Stimmen, ein sehr nettes Popalbum geschaffen und das ist schon eine ganze Menge!

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