Rezensionen

Mirco Buchwitz: lieber woanders TIPP

(Zeter & Mordio)

Autor: DJ / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Mirco Buchwitz - lieber woandersMirco Buchwitz ist sicherlich eine der Personen, die sich darüber freuen dürfte, dass mit 5 gegen 5 ein Familien-Duell Nachfolger dieser Tage auf den Bildschirm zurückgekehrt ist. Trash-TV vom Feinsten und ein Relikt aus den guten alten Zeiten. Denn die sind es, die immer wehmütig durch die Stücke von Mirco Buchwitz wehen: die Erinnerung an eine Zeit, als Iron Maiden die größte Metal Band der Welt war und man sich mit einem schäbigen Trick bei Motörhead Backstage zu Lemmy geschmuggelt und mit ihm einen Schnaps genossen hat, an Zeiten, als man scheinbar auf die Barrikaden ging, aber in Wirklichkeit nur Slime sehen wollte, an geplatzte Träume, an Hausbesetzung, an eine Jugend voll fröhlicher Illusionen, an Rebellion gegen das Spießertum und die weite Welt so nah vor Augen.

Auf der einen Seite thematisiert Buchwitz immer das ,was war, auf der anderen Seite zeigt er das, was geworden ist, das was übrig bleibt von all den guten Vorsätzen und wilden Phantasien. Es ist nicht nur Wehmut, sondern auch Resignation und Frustration die aus Buchwitz Charakteren sprechen. Das Glas ist nicht halb voll, sondern halb leer. So wie bei der alten Frau, die im Stück Bessarabischer Weg vor den Trümmern ihres Lebens steht, ein Leben im ständigen Mehr, in verschlingender Gier, an der man sich irgendwann verschluckt; und die einzige schöne Erinnerung ist der Abend, an dem man die ‚Liebe des Lebens’ kennenlernte.

Aber auch der Parabel bedient sich Buchwitz. In Filippos Flüstern fährt ein Fischer hinaus aufs Meer, hinaus zur Naht und kehrt nie wieder zurück. Und die anderen Fischer bleiben zurück, zurück beim täglichen Kampf ums Überleben, im langweiligen Trott der Tage. Ausbrechen aus den gängigen Mustern ist hier die Devise.

Wem dies alles zu streng und zu schwer ist, wird mit bissigem Humor bei Super Sat: Gestört um Drei beglückt, eine satirische Darstellung von Gesprächstherapien. Oder bei der Medienkritik Meinungsmache.

Wie auch immer: Man findet sich häufig wieder in den Geschichten, wobei es egal ist, ob absurd erzählt, metaphorisch verpackt oder schmerzhaft nüchtern. Buchwitz spricht dabei aus, woran man zwar häufig denkt, aber ungern drüber spricht: Die Zweifel, die mit den Jahren lauter werden. Und so scheint lieber woanders nicht nur eine Kritik des Umfelds, sondern auch ein ins Gerichtgehen mit sich selbst. Und man ist erstaunt, was einen Kerl Jahrgang 1974 irgendwo im Norden der Republik genauso häufig beschäftigt wie einen selbst. In Hannover heißt Herr Lehmann halt Herr Buchwitz.

Über die Seite von Zeter und Mordio kann die CD direkt bestellt werden.

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