Erbarme, zu spät, die Schwede’ komme…
Alleine schon das Billing dieses Abends ließ einen im Voraus melancholisch werden und so trollte sich der nilistische Tross durch mehrere Dates in Deutschland und machte auch vor dem ehemaligen Roxy in Essen nicht halt. Mit Pipi in die Augen nahm ich die im Austausch zu der schäbigen CTS-Karte am Eingang dankend eine richtige Konzertkarte mit farbigem Design und Bandlogos, wie man sie noch aus alten Tagen kennt, in die zittrige hand. Wunderbar, ein Fang für die Kartensammelwand und weiter gings im Gedränge, während man schon die ersten Töne Dismembers vernahm. Die Hütte war ausverkauft und mit geschätzten 450 Leuten zum Bersten vollgepfropft, sodass man den ordentlich bestückten und mit korrekten Preisen versehenen Merchandise-Stand erstmal nur unter murren der Davorstehenden entern konnte. Na gut, erst mal den Geldbeutel schonen und den Hits des “gut aufgestellten” Openers lauschen. “Bleed for me” “Skinfather”, “Skin her alive”, “Casket Garden”, dem mit Iron Maiden-Ansage und feinem Harmonie-Solo ausgestatteten“Tragedy of the faithfull”, sowie der grandios dargebotener Abschlußtrack und mein Lieblingsstück “Override Of The Overture” hatten die Menge im Griff und Dismember zogen eine klasse Show ab, mit der ein verdammt guter Einstieg in den abendlichen Death Metal-Himmel garantiert war.
Nach jeweils kurzen ca. 900 Sekunden langen Umbaupausen, legte dann jeweils die Folgeband los. An diesem Abend war dies Grave, denn die Bands entschieden sich vor Beginn der Tour um eine Bandrotation, die es allen beteiligten Bands ermöglichen sollte, im Wechsel als Headliner zu fungieren. Grave starteten erstmal mit Songs der letzten beiden Alben durch und legten nach und nach mit den Highlights ihre alten Alben den Laden in Schutt und Asche. Hier ging die Groove-Keule par excellence um und zu Krachern wie “Soulles”, “Here I die… satisfied” oder “you’ll never see” wurde ordentlich geslamdanct, um sich dann mit “into the grave” der Bandhymne schlechthin ins Nirwana zu rocken. Kommentar ist bei dieser Songauswahl wahrlich überflüsseig!
Dann enterten Unleashed in bester Wikinger-Manier die Bretter, die die Welt bedeuten und schlugen mit “Before the creation of time“ richtig Fresse. Die gesamte Halle, inklusive Balkon, reckte nach jedem Song Fäuste und Pommesgabeln in Hundertschaften gen Himmel und während der sauber gespielten Songs herrschte absolute Partystimmung. Es wurde reihenweise gebangt, und lauthals mitgesungen, ob bei der Bandhymne “Immortals” und dessen Pendant von der aktuellen Scheibe, “In victory or defeat”, oder weiteren Neuerscheinungen wie “Triumph of genocide”, “Winterland” bzw. “I have sworn allegiance”. Posen haben die Jungs immer noch drauf, nicht peinlich, aber dafür mächtig cool. Johnny packte zwischendurch wie üblich seine 1,2,3,4-Mitsingparts aus und ließ den Chorus von “Death Metal“ und “Never ending hate” gleich mehrfach hintereinander mitgrölen. Absolutes ausrasten war natürlich bei den Evergreens “To asgard we fly” und “Into glory ride” angesagt. Rein fair betrachtet, spielten Entombed, zwar nach den Wickingern, selbige hätte aufgrund Ihrer Show und den Resonanzen allerding die wahren Headliner sein können…
Entombed waren nun an der Reihe und ich hatte Sorgen, dass man sich größtenteils auf die Death’n-Schweine-Roll-Phase konzentrieren würde. A, weil dies nicht gerade meine Lieblingsalben der ehemaligen Nihilisten sind und B, alle anderen Bands bereits richtig schön die Death Metal-Keule alter Schule geschwungen hatten. Meine Bedenken sollten größtenteils unbegründet sein, denn die Setlist sprach im Nachhinein für sich! “Crawl”, “Revel in flesh”, “Sinner’s bleed” “Stranger aeons” “Supposed to rot” und als Sahnehäubchen “Left hand path”. Die rockigen “Out of hand” und “When in Sodom” hämmerten auch ordentlich auf die Glocke und wurden von der Band saucool vorgetragen, obwohl man mit einer Gitarre agierte und so die deathigen Titel stellenweise etwas zu rollig rüberkamen. LG Petrov wuselte wie ein Waltschrat über die Bühne schrie sich neue wie alte Song aus der Seele und zeigte sogar gen Ende des Sets reichlich “Bauchfleisch”, welches er mit dem Kommentar “… ja ich bin eine fette Sau…” den Fans darbot. Aufgrund der guten und recht anstrengenden Sets der Vorbands flüchteteten währen des Sets eine Menge Leute an die Theke oder an die frische Luft und so kämpften sich mittlerweile in den lichteren Reihen vor der Bühne zwar etwas weniger Maniacs herum, diese starteten allerdings einen gefälligen Pogo-Pit und ließen ihrem Spaß freien Lauf.
So wurde der Abend bei fast allen Band zu einer “Best of”-Vorstellung, die wirklich jede einzelne Band selbstredend nutzte. Was aber alle ein wenig negativ vereinte, war der durchgehend beschissene Sound, der für das kleine Turock zu krachig war und dadurch der Gesang bei allen Bands leider häufig unterging. Gewinner dieses Abends waren auf ihre Art alle Bands, wobei Unleashed mit ihrer großartigen neuen Platte, der besten Performance und den größten Publikumsreaktionen die klaren Abräumer waren. Da kann ich jedem Deathmaniac der nicht nur auf stupides Geknüppel steht den Besuch der nächsten Unleashed-Headliner Tour ans Herz legen. Neben Amon Amarth und Bolt Thrower bieten Johnny und seine Truppe eine der besten Todesmetallunterhaltung. Die schönste Randerscheinung des Abends: Alle Dismember und Grave-Mitglieder ließen sich während und nach dem Entombed-Gig an der Bar und in der Chill-Out-Area blicken, hielten einen kleinen Plausch mit den Fans und ließen sich zu Autogrammen auf Shirts, Postern oder Tonträgern nicht zweimal bitten. Wenn man bedenkt, dass man im gleichen Alter mit diesen Band als Hörer gestartet ist und die Jungs immer noch locker mit einem Fan ein Bier trinken, das ist einen Asbach wert. Daumen hoch! Ein Wunsch noch am Ende, bitte keine 15 Jahre bis zur nächsten gemeinsamen Tour verstreichen lassen…
PS: die Vorband Exterminator konnte ich aus anfahrtechnischen Gründen leider wieder einmal nicht in Augenschein nehmen, sorry dafür. Allerdings vernahm ich folgenden Satz eines mir unbekannten Besuchers beim verlassen des Turock, welcher der Vorband folgendes Lob anheim fallen ließ:”Ihr wart richtig cool, auf jeden Falle besser als Slayer”. Ob es stimmte, keine Ahnung, ich hoffe das reicht als Werbung;-)