Seit einiger Zeit werden Jazzsängerinnen wieder besonders hoch gehandelt. Konkur-renz belebt das Geschäft. Eine, die sich ebenfalls eine Ecke des Kuchens abbeißen möchte, stammt aus Thüringen. Ihre Eltern: ein tansanischer Amateurmusiker und eine Deutsche. Ihr Name: Lyambiko. Ihr Fable: Jazzmusik.
Seit rund fünf Jahren singt und lebt Lyambiko den Jazz. Bereits 2001, nach ihrem Debüt im Berliner „Atalante“ lag ihr das Publikum zu Füßen. Ihre ersten Alben, „Out Of This Mood“ (2001) und „Shades Of Delight“ (2003) platzierten sich erstklassig im oberen Drittel der deutschen Jazzcharts. Platz 2 hinter Norah Jones kann sich mehr als sehen lassen. Doch nicht nur national feierte Lyambiko große Erfolge, auch inter-national wickelte sie mit ihrer Stimme und ihren Jazzinterpretationen so manchen Liebhaber um den Finger. Selbst vor New York und Bosten schreckte sie nicht zu-rück. Ihre Gastspiele hinterließen Spuren auch in der „Neuen Welt“.
Das Geheimnis ihres Erfolgs? Nicht nur ihre optische Ausstrahlung. Dies wäre im Jazz-Showbiz auch nicht ausreichend. Was Lyambiko auszeichnet, ist ihre, mal samtweiche, mal kraftvolle Stimme. Ihre Coolness, sich den Jazz-Standards zu wid-men und diese in ein bildreiches Gewand zu kleiden, hat Charme. Sie trifft mit ihren Interpretationen den Nerv einer breiten Hörerschaft. Sie verkörpert die Dramatik einer Billie Holiday, versprüht die Erotik einer Julie London und akzentuiert wie eine Nina Simone. Ihre persönlichen Vorbilder geistern nicht nur in Lyambiko´s Hirn. Lyambiko verkörpert die Ausdrucksweise dieser drei Ausnahme-Jazzerinnen auf besondere Art. Eine Gabe, die man nutzen sollte. Aber…..
Müssen es immer wieder Standards sein? Diesmal zum Dritten? Gibt es denn auf Gottes Erden keinen mehr, der seinen eigenen Kram komponiert und produziert? Sicher, Ausnahmen bestätigen die Regel, doch sind diese gesucht. Einer Lyambiko würde eigenes Songmaterial sehr gut zu Gesicht stehen. Aber nicht nur ihr.
Naja, so heißt es eben abwarten, und sich mit dem begnügen, was die Plattenindust-rie so auf den Markt wirft.
Im Moment eben Lyambiko.
Was sie singt und interpretiert hat Qualität, keine Frage. In Ihrer Stimme liegt Melan-cholie. Leicht wie eine Feder schwebt sie von Note zu Note. Mal ein Bossa Nova o-der ähnliches - „You Go To My Head“, „Shiny Stockings“, mal eine klassisch, ange-hauchte Ballade - „April In Paris“, mal traditionelles Jazzliedgut - „The Nearness Of You“, mal Samba - „Summer Samba“, mal Swing - „Love Me Or Leave Me“. Ent-spannende Rhythmen, zu denen Lyambiko´s Stimme mal englische, aber auch mal spanische Akzente setzt.
Dies mag manch einem auf Dauer zu ermüdend erscheinen. Sicherlich fehlt es an einigen Stellen etwas an Pepp. Wer jedoch eher schwermütig durch die Welt geistert, wird enthusiastisch dahin fließen.
„Listen, You Will Like It!“ – Lyambiko hat Gefühl und Ausdrucksstärke. Ihre Stimme ist samtig und balladesk. Manch einer wird sie dafür lieben, mancher wird sie lang-weilig finden. Geschmacksache eben.
Sie passt in die heutige Zeit, eben auch mit dem, was sie tut. Nämlich interpretieren. Unterstützung findet Lyambiko in einem erstklassigen Trio. Mit Marque Lowenthal (Piano), Robin Draganic (Bass) und Torsten Zwingenberger (Drums) stehen erfahre-ne Jazzer zur Seite.
Fazit: Wir warten auf die Vier. Solange schwelgen wir in Melancholie mit der Drei. Und wer weiß, vielleicht werden wir ja erhört und mit tollen eigenen Kompositionen überrascht.
Tracklisting:
01. Summer Samba
02. The Nearness Of You
03. Love Me Or Leave Me
04. Samba E Amor
05. April In Paris
06. Afionas
07. Shiny Stockings
08. Stormy Weather
09. You Go To My Head
10. Holding Up
11. O Pato
12. Corcovado
13. Sitting In A Tree
14. It Could Happen To You
Time: 58:19 min.
Diskographie:
2001 Out Of This Mood
2003 Shades Of Delight
2005 Lyambiko
Tour Dates 2005: 07.05. Bad Schwartau, 08.05. Hamburg, 29.05. Zürich, 01.06. Karlsruhe, 30.06. Düsseldorf, 16.09. Völklingen, 30.09. Denkendorf.