Obwohl eine dicke, fette Soundfront gleich zu Beginn des Albums mächtig aufzieht, gibt sich Lucry zurückhaltend. Er schlägt bevorzugt bescheidene Texte an. Stopp! Lucry? Das ist ein 16-jähriger Berliner mit kubanischen Wurzeln, der eine neue Genre-Schublade aufzieht: Reggaeton. In der Karibik gibt’s den Sound wohl schon länger, jetzt also der Import.
Im Grunde genommen aber ist die Musik, die auf „El Latino Alemán“ geboten wird eine Art smoother HipHop, in die noch Elemente anderer Styles – von R’n’B bis Dancehall - reingemischt werden. Bunte Mischung also. Mit einer Konstante: Dicken Bässe, die ein Fundament aus Beton schaffen.
Wie gesagt, die Lyrics sind eher relaxt: Das stellt der Opener „Die Mischung macht’s“ gleich mal klar. Toleranz ist angesagt. Dicke Hose nicht. An Selbstbewusstsein mangelt es dem Berliner allerdings nicht. Mit einem Hauch Prolligkeit in der Stimme macht er Songs wie „Feuerarlarm“ oder „Ayayay“ zu echten Groovemonstern.
Festhalten muss man eines: Wer es mit 16 Jahren schon dermaßen draufhat, der wird’s mit 26 erst recht reißen können. Insgesamt kommt die Platte natürlich schon noch sehr im Schulhof-Style daher. Trotzdem: gelungen.