Rezensionen

Lucky Jim: All The King´s Horses

(Red Ink / Rough Trade)

Autor: schlimm / Wertung: 9.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Lucky Jim - All The King´s HorsesAb wann kommt man eigentlich in ein Alter, wo man lieber mal eine entspannte Platte genießen möchte? Oder hat es vielleicht sogar was mit der Jahreszeit zu tun? Ich für meinen Teil ertappe mich in letzter Zeit jedenfalls immer häufiger dabei, eher die ruhigen Momente eines Silberlings zu bevorzugen. Wo früher noch gepflegter Krach aus den Boxen tönte, darf jetzt auch gerne mal etwas gelassener zugehen. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass die wirklich spannenden Themen momentan nicht im Rock zu finden sind, sondern eher aus der Ecke Singer/Songwriter/Folk/Country kommen. Und da sind wir auch schon mitten drin im Thema. Lucky Jim beherrschen diese Spielwiese nämlich hervorragend. Gerade noch haben wir uns an dem Debüt-Album „Our Troubles End Tonight“ erfreut und dürfen uns nun auch schon am Nachfolger „All The King´s Horses“ laben.

Auch wenn sich die Musik wie eine Bandplatte anhört, so besteht das Projekt dennoch nur aus Gordon Graham, der sich für die Vocals, Keyboards und Gitarren verantwortlich zeigte und Ben Townsend an Drums und Percussion. So homogen, wie sich die Musik hier präsentiert, könnte man meinen, die beiden kennen sich schon aus dem Sandkasten. Weit gefehlt, denn erstmalig über den Weg gelaufen sind sie sich Anfang 2003! Bemerkenswert! Sehr umtriebig sind sie zudem, in knapp drei Jahren zwei Alben aufzunehmen und zu veröffentlichen ist heutzutage sicher nicht mehr üblich.

„All The King´s Horses“ macht da weiter, wo das großartige „Our Troubles End Tonight“ aufgehört hat. Direkt rockig startet „Sophia“, erinnert an die großen Geschichtenerzähler der jüngeren Musikvergangenheit. „Love´s Sweet Song“ beginnt mit einem schönen Pianothema, eingerahmt von dieser warmen Stimme Grahams. Der Track steigert sich dann aber gewaltig und holt zum Refrain zur großen Melancholie aus. „Lovebirds“ erinnert nicht nur entfernt an die Eagles, sondern geht ja fast schon als Coverversion von „Hotel California“ durch, das Gitarrensolo dürfte keine Fragen mehr offen lassen. „Dear Brother“ überzeugt mit schönem Bass, ein paar weniger Streicher im Refrain hätten es hier aber durchaus sein dürfen. Holla die Waldfee, die Jungs können es ja richtig krachen lassen. „Let it Come Down“ bratzt schön los. Da hat aber einer den sprichwörtlichen Hund von der Kette gelassen.

„Love They Self“ steht ganz im Zeichen des kraftvollen Gesangs, wodurch der Song eine wundervolle Dynamik und Dramatik bekommt. „Ash“ schlägt danach in die selbe Kerbe. Beginnt mit dieser feinen Lagerfeuerromantik um sich dann zu einem melancholischen Biest auszuweiten, mit der ganzen Farbpalette, die Musik zu bieten hat. „Another Way Of Loving You“ wartet mit einem astreinen Glockenspiel auf und auch sonst schmalzt er hier ganz ordentlich. Wäre das ganze hier nicht so gut, dann könnte man durchaus die Kitschschublade aufmachen, aber irgendwie kriegen die Jungs noch mal die Kurve, wie so oft auf dieser Platte. „Don Quixote“ ist da auch ein Paradebeispiel für. „I Want You“ tritt danach das Gaspedal wieder etwas mehr durch und mit „Ode To Blue“ wird die Scheibe dann würdig abgeschlossen und wirft noch mal alles in die Waagschale, was Lucky Jim zu bieten haben.

„All The King´s Horses“ braucht Zeit. Ich muss gestehen, dass mich die Scheibe bei den ersten Durchläufen ziemlich kalt gelassen hat. Etwas zu kitschig schien mir die ganze Angelegenheit hier auch ausgefallen zu sein. Das Teil hat mich dann aber doch noch gepackt und zwar sehr heftig, Köpfhörern sei Dank! Insgesamt sind diese Kleinode sehr liebevoll und passen perfekt zur herbstlichen Stimmung da draußen.

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