„Car Wheels On A Gravel Road“ wurde im Erscheinungsjahr 1998 mit viel Lob und Anerkennung überhäuft. Folgerichtig konnte das beste Album und Meisterwerk von Lucinda Williams dann ein Jahr später auch einen Grammy als „Best Contemporary Folk Album“ einheimsen. Gleichzeitig wurde die Künstlerin so auch bei einem größeren Publikum bekannt, obwohl sie schon seit 1979 im Geschäft war und sich durch unzählige Konzerte und Touren gespielt hatte. Nun kommt quasi eine Neuauflage dieses wunderbaren Albums als Deluxe Edition auf den Markt.
Die neue Aufmachung im Schuber und schicken Digi-Pack ist sehr gelungen und absolut passend für dieses Kleinod der amerikanischen Roots-Musik. Mittlerweile zeigt sich, dass Lucinda unter der Federführung von Steve Earle mit dieser Platte ein zeitloses Stück Musik gelungen ist. Zu Folk, Country, Blues und Rock vertont sie hier ihre ganz persönlichen Gedanken. Mit Mandoline, Dobro, auch mal einem Akkordeon, hier und da einer Slide-Gitarre und dieser schneidenden, ab und an brüchigen Stimme werden die Geschichten über (Ex-)Liebhaber, Bars und den vielen, vielen einsamen Straßen Amerikas erzählt. Manchen Radiostationen waren die Texte im Übrigen zu direkt und ein Radioeinsatz wurde verweigert. Nun denn.
Interessant an diesem 2 CD-Deluxe-Set sind natürlich die „neuen“ Songs. Die ursprüngliche 13 Tracks starke CD wurde nun um drei weitere Lieder bereichert, davon zwei bisher unveröffentlichte. Den Reigen eröffnet „Down The Big Road Blues“, ein schweißtreibender, erdiger Stampfer, der seinem Titel alle Ehre macht. „Out Of Touch“ ist ein weiterer Titel aus der Feder von Lucinda Williams. Ein sehr ruhiges, trauriges und countryeskes Lied, inklusive dezenter Fidel. „Still I Long For Your Kiss“ dürfte ja bekannt sein, kommt hier aber im Alternate Take und um einiges reduzierter und weniger poppig aus den Boxen und macht eine noch bessere Figur als die bekanntere Fassung.
Der zweite Silberling wartet dann mit einem Konzert vom Singer Songwriter Festival vom 11.07.98 aus Philadelphia auf. Eindrucksvoll stellt die Frau ihre Live-Qualitäten unter Beweis. Bei „Pineola“ klingt sie wie der weibliche Gegenentwurf zu einem Neil Young. „Something About What Happens When We Talk“ ist zwar eine Prise ruhiger, kann aber mit einem sehr schönen Gitarrensolo überzeugen. „Car Wheels On A Gravel Road“, „Metal Firecracker“ und „Right In Time“ können auch live auf ganzer Linie überzeugen und kommen noch druckvoller daher. „Drunken Angel“ beginnt live wie „Maggie May“ von Rod Stewart um danach wie ein Song zu klingen, den eine Sheryl Crow seit Jahren nicht mehr auf die Reihe bekommt. Das anschließende „Greenville“ wird fast nur von der Stimme getragen. Nach den beiden Versionen von „Still I Long For Your Kiss“ auf CD1, kann man den Song nun auch noch live auf sich wirken lassen. „2 Kool 2 Be 4-Gotten“ und „Can´t Let Go“ sind ja auch schon in den Studio-Versionen bekannt, nun hat man auch die Möglichkeit sich von den absoluten Live-Qualitäten zu überzeugen. Das anschließende „Hot Blood“ rechtfertigt alleine schon den Kauf der Deluxe-Edition. Dunkel, bedrohlich und sexy schält sich der Song aus den Boxen. Der Gesang und die Slide-Gitarre versetzen den Zuhörer gedanklich in die tiefsten Sümpfe. „Changed The Locks“ rockt dann in schönster Stones-Manier noch mal, bevor das Konzert mit „Joy“ seinen würdigen Abschluss findet.
Fazit: Wer schon „Car Wheels On A Gravel Road“ mochte, der wird diese Ausgabe lieben!. Die Bonustracks und Live-CD rechtfertigen auch selbst dann noch eine Anschaffung, wenn man das ursprüngliche Album schon sein eigen nennt. Die Aufmachung ist auch eine runde Sache geworden und so kann man dieses schöne Teil beruhigten Herzens empfehlen. Bleibt abzuwarten, ob Lucinda Williams noch mal an dieses Meisterwerk anknüpfen kann.