Alben von Lloyd Cole geben immer Anlass zur Freude. Dieser Mann bürgt einfach für Qualität, das weiß man, bevor man überhaupt einen Ton eines neuen Longplayers gehört hat. Die Erwartungshaltungen sind also dementsprechend hoch. Ist ja auch kein Wunder hat er doch in den 80ern mit The Commotions und dem Album „Rattlesnakes“ das „Greatest Album of the 80´s“ vorgelegt – zumindest meint dies der NME. Der britische Wahl-New Yorker erfreut die Musikwelt nach drei Jahren nun wieder mit seinen großen und kleinen Geschichten.
War „In A Foreign Language“ aus dem Jahre 2003 Minimalismus pur angesagt, so ist „Antidepressant“ wieder ein richtiges Bandalbum. Schon der Opener „The Young Idealists“ deutet dies zaghaft an. Spätestens bei „Woman In A Bar“ erahnt man, wohin die Reise geht. Die eher spärliche Instrumentierung des Vorgängers ist zugunsten der großen orchestralen Melodien gewichen. Natürlich gibt es auch hier noch diese stillen Momenten, man höre sich nur den Einstieg von „New York City Sunshine“ an. Zum Refrain hin wird dieses Kleinod dann aber fast schon in Richtung Pop gelenkt – einschließlich Streicher. Ganz starker Song. „Antidepressant“ geht danach fast schon als Rocker durch. Schön, dass Herr Cole diese Spielwiese auch mal wieder ausführlich beackert. „I Didn´t See It Coming“ ist fast schon als typischer Cole Song zu bezeichnen. So nebenbei ist dies im Übrigen das Album passend zur Jahreszeit. Das mit Melancholie durchtränkte „How Wrong Can You Be“ ist ein Paradebeispiel dafür und passt mir dieser Stimmung perfekt zum Herbst. „Everysong“ drückt danach etwas mehr auf die Tube und überrascht mit einem Neil Young Harmonika-Spiel. Das folgende „I Am Not Willing“ kriegt so gerade noch einmal die Kurve, bevor der Song zum Kitsch abdriftet. „Slip Away“ zeigt, wie es besser geht um danach mit „Travelling Light“ noch einmal zur Höchstform aufzulaufen. Den würdigen Albumabschluss bildet dann das tieftraurige „Rolodex Incident“. Textlich ist Cole immer noch der eher ironische bis sarkastische Songschreiber.
Fazit: Mit „Antidepressant“ ist Lloyd Cole ein kleines Meisterwerk gelungen. Zeitlose Musik, die sich so schnell in keine Schublade pressen lässt und der man zu jederzeit anmerkt, dass es dem Mann hier nur einzig und alleine um die Musik geht. Mit viel Liebe und Hingabe wurden hier wohl die elf Songs geschrieben, aufgenommen und letztendlich auf CD gepresst. Da kann man sich jetzt schon auf die nächste Veröffentlichung freuen, egal wann dies sein sollte. Ein Qualitätsabfall scheint bei diesem Mann unmöglich. 10 Punkte!