Rezensionen

Late Night Venture: Late Night Venture TIPP

(Quatermain Rec / Broken Silence)

Autor: schlimm / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher 1 Kommentar

Bild von Late Night Venture - Late Night VentureLate Night wer? Der erste Gedanke ist sicher, dass es sich hier um eine neue Band handeln muss. Der Bandname ist jedenfalls wenig geläufig und auch der gute, alte Onkel Google gibt wenig bis gar nix dazu her. Ist aber auch kein Wunder, denn der Bandname ist zwar neu, die Band selber gibt es aber nun schon länger. Genau genommen seit dem Jahre 2000. Alles klar? Nein? Lediglich der Name wurde erneuert, aus Flying Virgins wurden Late Night Venture, die nun quasi mit dem selbst betitelten Album ihr Debüt vorlegen.

Elf Songs beinhaltet der Longplayer, wovon zwei allerdings schon von der EP „Lazy“ bekannt sein dürften („Lazy Star“ und „Tahoe Morning Diner“). Late Night Venture waren für mich ein völlig unbeschriebenes Blatt und die gleichnamige Platte die große Unbekannte bzw. Wundertüte. Eins ist nach mehreren Durchläufen schon mal gesichert, aus der Unbekannten ist schon eine Vertraute geworden. Man nennt das wohl weitläufig auch Liebe auf den ersten Blick oder hier besser Liebe beim ersten Hören. Was die Dänen hier abliefern verdient das Prädikat „Besonders Wertvoll“. Lange waren sie in der Popmusik verschwunden, die Schräg- und Verschrobenheit des Indie, die großen Emotionen ohne kitschig zu werden, die wunderschönen und depressiven Melodien. Nun, hier sind! Teilweise hat man das Gefühl, eine Best Of sämtlicher Indie-Pop-Bands zu hören – und dies ist hier durchaus als Kompliment gemeint. Schon der Opener „Condition Lost“ erinnert z.B. an eine Band wie deus. Weiter geht die Irrfahrt mit So Far, welches im Refrain die großen Emotionen auspackt. Das anschließende „Pay The Moon“ erinnert entfernt sogar etwas an die Smashing Pumplins. Das melancholische „Lazy Star“ ist einfach nur wunderschön und gemahnt stark an Sigur Ros. Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen Late Night Venture kupfern nicht ab, sie verbeugen sich bestenfalls vor den Kollegen, haben aber trotz allem ihren ganz eigenen Stil. Als Referenz könnte man sicher auch noch Mercury Rev, Placebo und die Flaming Lips nennen. Auch Sonic Youth dürften die Jungs schon mal gehört haben. Ob „Peace Fountains“, „After“ oder „One Night All Trees Blossom“, großes Gefühlskino wird hier dargeboten. Aber Vorsicht, an jeder Ecke lauern diese kleinen und überraschenden Ideen. Wo Bands wie Coldplay oder Keane durch ihre angepassten Songs für das Radio mittlerweile komplett langweilig geworden sind, gehen Late Night Venture runter von den ausgelatschten Pfaden des Radiopops und zeigen den berühmten Kollegen, dass es durchaus noch interessante Facetten im Pop gibt. Großes Kino, das hier!

Fazit: Wer keine Angst hat vor großen Emotionen und ein offenes Ohr für Popmelodien jenseits des Radios hat, der muss hier zugreifen. Mich hat die Platte jedenfalls komplett überzeugt. Keine Erwartungshaltung gehabt (da nicht gekannt) und dann so eine Platte geschenkt bekommen. Danke Late Night Venture, ich werde Euch in Zukunft ganz sicher im Auge behalten! 10 Punkte.

1 Comment »

  1. Bin ganz deiner Meinung!!!
    habe sie in Leipzig im “noch besser Leben” gesehen…
    und dachte mir: das gibts jetze nich….
    die perfekte Verbindung oder konsequenteste Weiterentwicklung der o.g Bands
    was machen die Jungs in so einem kleinen (sehr angenehmen) Schuppen, mann die müßten mehr und öfter und größer erreichbar sein…naja war sehr angetan von dem was mir da an die Ohren kam.
    Wie du schon sagtest “großes Kino”

    Comment by Alex — January 9, 2008 @ 5:55 pm

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