Als L’ame Immortelle am 28 Februar 2003 in Darmstadt aufgetreten sind, müssen sie sich auch gedacht haben, dass der Stadtname wie die Faust aufs Auge passt. Ganz ehrlich, die Stimmung auf der DVD ist für den Arsch! Dem lethargischen Publikum hätte man am Besten die Stellen zum Klatschen per Prompter zugewiesen. Allerdings lässt sich die Zurückhaltung der Anwesenden auch mit der Leistung der Band erklären. Persönlich suche ich ja auch immer noch nach dem gewissen Etwas, was die Band zu einer angesehenen Gruppe im Gothik und Wave Genre gemacht hat. Und entdecke dabei nur die breite Kluft zwischen Anspruch und Können.
Geht es eigentlich noch gut mit dem ’Intro’ 21 Februar los, begibt sich die Band schon mit dem folgenden Tiefster Winter wieder in dem Zustand einer harmlosen Proberaumgruppe, die vielleicht zum dritten Mal zusammen die Instrumente umschnallt. Interessanterweise passt sich dem auch die Abmischung an. Der Livesound ist wirklich plastik-mäßig, der Drumsound klingt nach Schlager, die Gitarre fräst sich vollkommen disharmonisch durch den restlichen Sound. Hier versucht eine Band zu rocken, die mit Rock nicht wirklich etwas an der Mütze hat. Das Schlimmste ist aber immer noch die gesangliche Leistung von Thomas Rainer, der sich durch die Songs kotzt wie eine Horde Hooligans, die Böhse Onkelz Prollsongs zum Besten gibt. Daneben verkümmert Sonja Kraushofer als Michelle der Gothikszene etwas mit einer weitaus dünneren Stimme als auf Platte. Neben dem hyperaktiven Rumgehopse ihres Gesangspartners wirkt die Dame trotz aller rubischer Weiblichkeit reichlich blass und fällt mehr durch wechselnde Garderobe als durch Ausdruck auf. Als der Gittarist zum Schluss des Auftritts das Publikum zum Weiterrocken auffordert, hat dies eigentlich schon etwas Sarkastisches an sich. Bis auf wenige verträumte junge Damen, die neidisch auf die hübschen Kleider von Frau Kraushofer gewesen sein dürften, herrscht deprimierender Stillstand im Publikum. Nach 57 Minuten Wehmut und Liebeskummer im literarischen Dr. Sommer Stil verabschiedet sich die Band schließlich auch von ihrem DVD Auftritt im VHS Niveau.
Damit die DVD etwas mehr Fülle erhält, hat man noch ein paar Interviews mit draufgepackt und ein obligatorisches ‚So langweilig ist es hinter der Bühne’. Wem nicht schon bei der DVD das Ohr eingeschlafen ist, darf sich über eine Bonus CD freuen, die beinahe das gleiche Material enthält, den Taumel männlicher Empfindlichkeit aber noch um zwei Nummern erweitert. Würde ich an das Gehör der Masse glauben, ich würde die Neuauflage der Disharmony – Live! DVD eher als Erfolgsbremse, denn als Gewinn für Fans und Band sehen. Aber wer Schni-Schna-Schnappi auf Platz 1 der Singlecharts hebt, der merkt eh nichts mehr!