Inhalt: Die Besatzung ist nicht an Bord, als sich in der Nacht zum 15. Februar 1860 fünfzehn Zöglinge des Internats Chairman zu einer Ferienkreuzfahrt an Bord des Schoners Sloughi begeben. Ein Unglück geschieht: Das Haltetau reißt, der Schoner treibt ab, gerät in einen wütenden Sturm und strandet nach tagelanger Irrfahrt vor einer unbekannten Insel. An baldige Rettung ist nicht zu denken, und die Jungen, allen voran Doniphan, Gordon und Briant und der Schiffsjunge Dick, der als einziger etwas von Seefahrt versteht, müssen sich nicht nur gegen äußere Widrigkeiten, sondern auch gegen ihre eigene Natur zur Wehr setzen.
Kritik: Juuuuuuut, dass es Wikipedia gibt. Denn der Name Sloughi für einen Schoner hat mich schon irritiert und beinahe mehr Aufmerksamkeit erregt als die dargebotene Geschichte. Ein Sloughi ist auf jeden Fall eine orientalische Windhundrasse und hat u.a. bei Karl May ihren Auftritt, als dessen Figur Kara Ben Nemsi einen solchen Hund als Wegbegleiter besaß. Daher kann man durchaus ein flottes Schiff auf den Namen Sloughi taufen. Ein wenig in der Benennung hat sich Jules Verne allerdings bei der Titulierung seiner Geschichte als ‚Irrfahrt’ vergriffen. Eine ‚Irrfahrt’, die hatte Odysseus von Troja in Richtung Heimat. Die Jungs in vorliegender Geschichte allerdings segeln los, geraten in ein Unwetter und stranden schließlich auf einer unbewohnten Insel. Und wie bei jeder Robinsonade geht es irgendwann wieder nachhause. Das würde ich jetzt nicht als ‚Irrfahrt’ bezeichnen. Der Leser bzw. Hörer geht somit mit falschen Erwartungen an die Geschichte heran.
Wenn man Vergleiche ziehen kann, dann erinnert Die Irrfahrt des Schoners Sloughi an eine Mischung aus Robinson Crueso und Herr der Fliegen. Eine Horde Jungs strandet auf einer Insel, einer der Jungs wird zum Führer ernannt, Eitelkeiten führen schließlich zum Bruch und zur Bildung zweier Gruppen, die sich erst durch eine gemeinsame Gefahr wieder zusammenraufen und nach zwei Jahren glücklich vereint und ohne Verluste gerettet werden. Die Tiefe des Holding Klassikers erreicht man hier nicht und wird somit auch nicht als literarisches Kaugummi in den Englischunterricht gelangen. Das hier hat mehr Enid Blyton - Niveau. Harmlos Unterhaltung mit Happy End. Und eignet sich eher für einen Sonntagvormittag in der Badewanne, da lässt sich die Geschichte schön mit Walnussschalen und Streichholzmännchen nachspielen, wie sie auf dem eigenen Bauch die Insel erkunden.
Die Umsetzung?! Nicht wirklich gelungen. Ein ganz großes Manko sind diesmal die Sprecher. Die sind nicht übel, aber fehlbesetzt. Denn Erwachsene stellen Kinder dar. Klingt nicht authentisch. Die Kulisse dieses Klassikers ist hingegen üblich: Altbacken, aber lebendig. Insgesamt besser als Moby Dick von Kurt Vethake, aber sicherlich nicht die stärkste Folge aus seinem Klassiker Repertoire.