In Zeiten, in denen der Begriff ‚Metal’ vor Allem von Bands moderner Ausrichtung in der Öffentlichkeit geprägt oder immer noch von Alltimesellern populär gehalten wird, hat es ein Fossil wie King Diamond recht schwer. Mit Metal verbindet man heute sicherlich in erster Linie Metallica, Motörhead, Slayer und Black Sabbath als Vertreter der alten Garde und ‚neue Acts’ wie Slipknot, Korn oder Deftones. Und neuerdings auch Popmusiker, die ein wenig rauer daherkommen. Dass Mr. Diamond dieser Musik einst neue Facetten verliehen hat und auch heute noch gerne von vielen Musikern als Einfluss genannt wird, ändert nichts daran, dass Bands wie Mercyful Fate und King Diamond heute selbst in der eigenen Szene nur noch wenig Aufmerksamkeit erhalten und längst nicht mehr so viele Tonträger verkaufen.
Der eingeschworene Kreis der King Diamond-Hörer hat dann auch ein eigenes Gesicht. In Essen waren es ganz klar reife, verlebte Herrschaften, die dem König schon seit seiner ersten Mercyful Fate Karriere die Treue halten. Vereinzelt auch Tupfer eines jüngeren Publikums, aber die Alterslatte dürfte an diesem Abend hoch gelegen haben. Und trotz recht hohem Eintrittspreis war das ehemalige Roxy gut gefüllt.
Die Anwesenden mussten zu Beginn erst einmal zwei Durchschnittscombos mit Austauschcharakter aus dem Hause Massacre über sich ergehen lassen. Die Reaktionen blieben verhalten, der bekannte Metal kam nicht wirklich gut an. Der Headliner wurde nach obligatorischem Intro hingegen euphorisch begrüßt, was nicht zuletzt auch am gut gewählten Start gelegen haben dürfte. Die Reise durch die Werke ging mit Abigail los, dem vielleicht erfolgreichsten und beliebtesten Königswerk aus dem Jahr 1987 mit den Songs Arrival, A mansion in darkness, The family ghost und Black Horsemen. Überhaupt legte man viel Gewicht auf die frühen Werke, wobei man Fatal Portrait ausließ. Das Hauptaugenmerk lag klar auf Them, Conspiracy und The Eye. The Graveyard und Voodoo blieben unangetastet. Auch von den letzten Werken Abigail II und Puppet Master spielte man weniger als erwartet. Die Höhepunkte belegte man schlicht mit den Mercyful Fate Klassikern Evil und Come to the sabbath.
Vom Sound her war es gerade in den vorderen Reihen recht undifferenziert, im hinteren Bereich der kleinen Halle war es akzeptabel. So wurde vorne zwar die hinter den Boxen versteckte Sängerin gesehen, gehört wurde sie aber nicht. Dafür hatte man einen besseren Blick auf die aparte Tänzerin und Schauspielerin, die schon bei der Tour 2001 dabei war.
Optisch waren vor Allem sie und der Meister Aufhänger der Show, die restlichen Musiker waren (altersbedingt) etwas hüftsteif und setzten wenig Akzente. Braucht die Band aber auch nicht, denn die hat ja den King. Und dieser spielte gekonnt wie eh und je den Zeremonienmeister mit den bekannten Showelementen. Insgesamt war es nicht so geil wie die früheren Mercyful Fate und King Diamond Auftritte, aber als gelungen darf der Abend durchgehen. (Photos: SK)
Ich war damals auch in Essen dabei und hab aus Langeweile nach einem Konzertbericht von damals gegoogelt. Als reiner King D. Fan, eingestiegen zu Them/Conspiracy Zeiten, hat mich die Setlist alles andere als umgehauen. Ohne richtige Kenntnis der Abigail Platte war das Konzert nur die Hälfte wert. Meine Hoffnung auf mind. 7-8 Songs von der genialen Puppet Master hatte sich genauso zerschlagen wie eine ausreichende Wüdigung meiner sonstigen Faves (vor allem The Eye, Conspiracy, Them). Stattdessen Mercyful Fate Klassiker, denen ich ebenfalls eher stirnrunzelnd zugehört habe. Was anderes blieb einem allerdings auch nicht übrig, denn der Sound - und damit zum eigentlichen Tiefpunkt des Abends - war eine einzige Katastrophe. Extrem laut (meine Freundin hat seit diesem Abend leider einen Anflug von Teenitus - kein Scherz) und völlig verzerrt, das Ausmachen der genialen Gitarrenmelodien war eigentlich nur halbwegs möglich, wenn man sie auswendig mitträllern konnte. Bin auf mittlerweile auf vielen Konzerten gewesen, aber das an diesem Abend grenzte an Körperverletzung. Insgesamt ist der Abend also leider als komplette Enttäuschung einzustufen, dabei hatte ich mich wahnsinnig darauf gefreut (nach einem genialen MF Auftritt in Wacken mein zweites Live-Erlebnis mit dem King). Schade.
Comment by Darkflar — July 8, 2008 @ 4:24 pm