Es ist doch irgendwie schön, wenn man am Entwicklungsprozess einer Band teilnehmen darf. Kevins Campfire ist so ein Fall. Vier Jahre ist es nun her, dass ich die Eigenproduktion „My Favorite Toys“ mit 7,5 Underground-Band-Bonus-Punkten bedachte. Jetzt liegt hier „Disaster“ auf dem Tisch. Die Ingolstädter existieren also noch.
Und auch die erste Hörprobe macht Hoffnung. Der Sound ist klasse (an den Reglern saß Alex Klier, der schon die Sportfreunde und die Ärzten verarztete), sehr kompakt und differenziert. Veränderungen? Inzwischen gehen die Bayern etwas mainstreamiger zu Werke. Zu einer früheren Referenz wie Dredg – Emo-Prog also - gesellen sich inzwischen auch Vergleichscombos aus dem Punkrock-Bereich. Das macht „Disaster“ auf der einen Seite leichter hörbar, auf der anderen sind die Akkordfolgen von Songs wie „Last Dance“ abgegriffen und nicht gerade eine individuelle Offenbarung. Soll heißen: Es gibt einiges zu hören, das nicht ganz neu und vor allem viel zu vorhersehbar ist. Dieser Eindruck verfestigt sich zusehends.
Dementsprechend ernüchternd ist zuletzt das Fazit. Man wird das Gefühl nicht los, dass die jugendliche Experimentierfreude einer professionellen Arbeitsweise weichen musste. "Disaster" ist keine schlechte Platte, ich fürchte allerdings, der große Wurf wird Kevin Campfire nicht gelingen.