Katy Winter, geboren in der Schweiz, im Alter von acht Jahren zweijähriges Intermezzo in Island und anschließend einjähriger Aufenthalt in Südafrika, gehört auch zu den Damen, die den Stempel Durchgefallen beim Finale einer Casting Show tragen. Dass sie in Deutschland dennoch unbekannt ist, liegt wohl daran, dass es die Schweizer Casting Show MusicStar war.
Was trägt bei Katy Winter nun mehr Gewicht? Ihre Casting Teilnahme oder die ethnischen Einflüsse, die sie in ihrer Kindheit sammeln konnte? Dann wohl leider doch die Casting Prägung, denn wer bei Island und Südafrika an eine von südafrikanischen Rhythmen geprägte Björk denkt, wird herb enttäuscht. Katy Winter muss sich ebenso wie all ihre Casting Artgenossen nach absolvierter Prüfung vor Millionenpublikum nun durch schnell und lieblos dahin geschmierte Lieder quälen. Erträglich daran ist nur, dass Dieter Bohlen nicht sein Untalent im Spiel hat und die 13 Lieder von unterschiedlichen Komponisten stammen. So variiert die Annehmlichkeit innerhalb der Platte auch etwas. Auffällig ist, dass sich sowohl Hörer als auch Katy Winter wesentlich wohler bei den Kompositionen von Thomas Breuss fühlt, der scheinbar etwas mehr Gespür dafür besaß, welcher Stil gut zur Stimme von Katy Winter passt. So sind es vor allem etwas dunklere, schwere Nummern, in denen sich die mit einem gewissen Maß an Talent gesegnete Dame beweist. Auch wenn z.B. Sunshine mit den für solch Nummern obligatorisch klischeehaften Textzeilen (Sunshine, sunshine, sunshine, you need sunshine in your life) ätzt, erinnert der Song doch von der Machart an den Raab Grand Prix Beitrag für Max Mutzke und lässt sich daher trotz wenig Originalität gut ertragen. Alle anderen Komponisten fallen allerdings glatt durch, liefern sie nicht mehr als abgekupferte 08/15 Ware, die zudem der Stimme nicht gerecht wird. Und so stellt ganz zum Schluss Katy Winter mit I was too late auch ernüchtert fest, dass sie selber für ihre Stimme die authentischsten und treffendsten Nummern schreibt. Die schlichte Akustiknummer hat im Gegensatz zum steril produzierten Rest immerhin Gefühl.
Und vielleicht ist dies auch der richtige Weg. Floppen in Deutschland schon unsere eigenen Casting Kinder so wie sie am Fließband produziert worden, so wird es auch dem Schweizer Export nicht anders widerfahren. Aber das gibt ihr schließlich die Möglichkeit, ohne Gelddruck schlicht und einfach gute Musik zu machen. Und hübsch aussehen tut sie dabei sicherlich auch!