Rezensionen

Karl May: Blutrache

(Maritim)

Autor: DJ / Wertung: 9.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Karl May - BlutracheInhalt: In diesem Hörbuch (mit Musik und Geräuschen) hören wir Konrad Halver zum ersten Mal in einer eigenen Produktion nach Karl May als erzählenden Kara Ben Nemsi. Zum ersten mal auf Tonträger die Orient-Geschichte "Blutrache" aus dem Sammelband AUF FREMDEN PFADEN.

Eine spannende Geschichte, in derem Mittelpunkt ein Knabenraub steht. Der Mord an einem Haddedhin fordert die Blutrache Omars, eines Freundes Kara Ben Nemsi‘s und Hadschi Halef Omar‘s, die sich gegen die Handhala-Araber richtet. Nach dem Mord nehmen die Freunde die Verfolgung auf, die jenseits des Pilgerweges nach Mekka in die Wüste führt. Dort stoßen sie auf einen geraubten Araberknaben, der sich als Sohn des feindlichen Handhala-Scheiks Abd el Birr entpuppt. Als dieser am Ende der abenteuerlichen Verfolgungsjagd Kara Ben Nemsi und seinen Freunden in die Hände fällt, kommt es über die Religionsgrenzen hinweg (Kara Ben Nemsi ist als Christ für die Mohammedaner ja ein "Ungläubiger"!) "um des Kindes willen" zu einer wegweisenden Aussöhnung. Omar verzichtet auf Rache und sogar zugunsten des Kindes auf den Blutpreis: "Die wahre Liebe besiegt den größten, unüberwindlich scheinenden Haß". Angesichts der heutigen Situation in Nahost: Hochmodern und beispielhaft!

Kritik: Eine Reise durch den Orient begleitet vom vielstimmigen Reiseleiter Konrad Halver in ein von religiösen Motiven durchsetztes Abenteuer – auch das ist sicherlich Karl Mays Blutrache in Maritims Orient-Reihe. Allerdings ist die inszenierte Lesung auch ein schwerer Brocken Literatur, der sich zu einem Irrgarten aus fernen Bräuchen und fremden Namen aufbaut. Schnell hat der Hörer den Überblick über die Charaktere verloren und ebenso schnell entgleitet dem unkundigen Rezipienten, der wenig vertraut mit der Welt Mays ist, die Geschichte. Und dies ist eigentlich auch schon der einzige Makel an diesem Hörbuch, welches man unterstützend durch eine Auflistung der Personen und ihren Funktionen hätte erweitern können. Anstatt das Inlay weiß lassen.

Die technische Seite stimmt dafür einfach. Konrad Halver merkt man seine Begeisterung für den Stoff an. Er verleiht den einzelnen Charakteren Stimme. Und wird dabei durch reichhaltigen Einsatz von orientalischer als auch moderner Musik unterstützt. Hinzu kommt ein kräftiger Einsatz von Geräuschen, die die Wüste zum Leben erwecken.

Es hätte also ein Fest auch für Nicht-May-Jünger werden können, wenn da nicht die Stolpersteine der Unkenntnis und die Namenslegasthenie wären. Persönlich habe ich mich erst nach drei Versuchen in der Geschichte wieder gefunden. Zum Schluss endlich angekommen tröstet mich ein Ende, dass Grönemeyers Aussage von Kinder an die Macht als zeitlosen Schluss auch in dieses Buch transportiert.

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