Rezensionen

Juli: Ein neuer Tag

(Universal)

Autor: schlimm / Wertung: 7.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Juli - Ein neuer Tag74 Wochen in den Charts und über 700.000 verkaufte Tonträger sprechen eine deutliche Sprache, aber ist dies auch ein Qualitätsmerkmal? Eher nicht. Juli spaltete wohl die Nation. Von vielen geliebt, aber auch von Kritikern und Musikliebhabern manchmal mit einer abwertenden Haltung gestraft. Der Band selber konnte das natürlich herzlich egal sein, der Erfolg gab dieser schließlich recht und stand für sich. Mit dem neuen Album „Ein neuer Tag“ folgt nun der Nachfolger von „Es ist Juli“, die Messer sind gewetzt und es war eigentlich vorab schon klar, dass einige Kritiker die neuesten musikalischen Ergüsse in der Luft zerreißen würden.

Ich für meinen Teil muss gestehen, dass ich mit der Musik von Juli wenig bis gar nix anfangen konnte und Songs wie „Perfekte Welle“ und „Geile Zeit“ nicht nur ohne Ende nervig, sondern regelrecht besch…eiden fand. Man könnte also sagen, dass der Rezensent schon eine gewisse ablehnende Haltung gegenüber „Ein neuer Tag“ vorab gehabt hat, ohne einen einzigen Ton davon gehört zu haben. Tja, und nun das. Die Scheibe gefällt. Die Band führt zwar den eingeschlagenen Weg fort, klingt aber deutlich reifer als auf dem Vorgänger. Dezente Neuerungen und Überraschungen haben sie auch im Gepäck.

Schon der Opener „Dieses Leben“ überzeugt mit seiner melancholischen Grundtendenz im Stile von Rosenstolz. „Du Nimmst Mir Die Sicht“ verfolgt den Kurs dann weiter, ist insgesamt aber etwas rockiger. Auch „Bist Du Das“ ist sehr schön arrangiert und die Gitarrenwände zum Refrain hin sehr stimmig. „Zerrissen“ ist eine dieser typischen Juli-Balladen, aber diesmal völlig unprätentiös und unpeinlich. „Ein neuer Tag“ kommt danach als netter Pop-Rocker um die Ecke. „Wer Von Euch“ ist regelrecht depressiv, plätschert aber auch so ein wenig vor sich hin. Insgesamt überzeugt die erste Albumhälfte, mal sehen was die zweite bringt.

Eingeläutet von „Wir beide“ geht es sofort recht forsch zur Sache. „Egal Wohin“ ist dann schon sehr kitschig und schrammt so gerade noch mal am Schlagergenre vorbei, aber nur haarscharf. „Das Gute Gefühl“ verfolgt diese Richtung glücklicherweise nicht weiter, ist aber auch nicht besonders gelungen, hätte sich auch gut auf „Es ist Juli“ gemacht. Überzeugen kann dann wieder „Am Besten Sein“ in seinem Pop-Rock Gewand. „Wenn Du Mich Lässt“ geht in Ordnung, ist aber auch nicht sonderlich spektakulär. „Ein Gruß“ ist ein Art Dankesbotschaft an Freunde, Fans, Helfer und und und. Textlich hat es die Band geschafft, dies unpeinlich zu gestalten, daran sind ja schon ganz andere gescheitert.

Fazit: Juli hat sich durchaus positiv weiterentwickelt. In seiner Gesamtheit gesehen kann das Album wirklich überzeugen und wer jetzt meint, „Ein Neuer Tag“ muss einfach Mist sein, weil es das neue Album von Juli ist, der sollte noch mal genauer hinhören. Wer dann immer noch nicht erkennt, dass es durchaus auch in Deutschland Popmusik mit rockigen Elementen gibt, die abseits von Bands wie Blumfeld, Kante, Tomte, Kettcar und Konsorten auch überzeugen kann, der hat halt Pech gehabt.

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