Rezensionen

Jules Verne: Meister Zacharius

(Stimmbuch/Maritim)

Autor: DJ / Wertung: 8.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Jules Verne - Meister ZachariusInhalt: Meister Zacharius ist ein bekannter und geschätzter Uhrmacher, der nur für seine Arbeit lebt und zusammen mit seiner Tochter Gérande, seinem Gesellen Aubert Thün und der Magd Scholastica ein kleines Haus in Genf bewohnt. Seine genialen Erfindungen steigen dem alten Uhrmacher zu Kopf, denn er glaubt, nicht nur einige Rätsel der Mechanik gelöst zu haben, sondern nichts Geringeres als das Geheimnis der Verbindung zwischen Leib und Seele selbst. Eines Tages jedoch bleiben alle Uhren stehen, die er gefertigt hat. Obwohl man keinen mechanischen Fehler feststellen kann, können die Uhren nicht repariert werden. Meister Zacharius ist verzweifelt. Er würde alles dafür geben, seinen Uhren neues Leben einzuhauchen - sogar seine Seele.

Kritik: Blind vorgesetzt hätte ich bei dieser Erzählung auf Edgar Allen Poe oder E.T.A. Hoffmann getippt, denn Meister Zacharius ist nicht nur phantastisch, sondern auch düster und moralisch. Und dient sicherlich als Vorlage für Unterrichtsinterpretationen. Denn Jules Verne will nicht nur die Geschichte des manischen Uhrmachers erzählen, dessen Leben an den geschaffenen Uhren hängt, sondern hinter der gesamten Erzählung scheint eine Moral, ein erhobener Zeigefinger zu stecken: ‚Hebt die Wissenschaft nicht über die Religion, spielt nicht Gott, das menschliche Schaffen hat Grenzen’. Diese Quintessenz der Geschichte spiegelt sich vor Allem in den Dialogen zwischen dem greisen Uhrmacher und seinem Gesellen Aubert und der finalen Szene im Schloss Andermatt wieder. Ob Jules Verne schon einen Konflikt zwischen der rationalen Wissenschaft und der irrationalen Religion sah? Wenn ja, so schlug sich der Katholik Jules Verne hier auf die Seite der Religion – somit ist die Erzählung kein aufklärendes Stück, sondern ein metaphorisches Glaubensbekenntnis.

Die Umsetzung ist erneut stimmig - Stimmbuch eben. Das kleine, feine Label hat schon mit Charles Dickens ’Das Spukhaus’ und Jack Londons ’Südseegeschichten’ bewiesen, dass sie Literaturklassiker ansprechend umsetzen können. Inszenierte Lesungen fein gewürzt mit atmosphärischer Musik und dezent eingesetzten Geräuschen. Und sehr guten Vorlesern. In diesem Fall Hans-Gerd Kilbinger.
Da vergisst man auch schon mal, dass die Geschichte etwas moralisch-steif und langatmig ist und nicht die Erwartungen stillt, die man beim Namen Jules Verne hat.

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