Sie gilt in Fachkreisen als eine der einflussreichsten Künstlerinnen der 68er Generation.
Die Kanadierin Roberta Joan Anderson, besser bekannt als Joni Mitchell, trat 1960 erstmals ins Rampenlicht und wird seitdem als Interpretin und Komponistin in aller Welt geschätzt.
Mit Ihrem ersten Hit „Chelsea Morning“ 1967, finanzierte sich Joni ihren weiteren musikalischen Werdegang ohne wenn und aber. Und dieser sollte einen Meilenstein in der Folk-, Rock- und Popgeschichte hinterlassen.
Einer, der besondern Anteil am Erfolg bereits zu frühen Zeiten hatte, war David Crosby. Er produzierte u.a. Joni´s Debütalbum „Song To Seagull“ und war für viele Jahre ihr Wegbegleiter. Ebenfalls war David mitverantwortlich für die Tendenz ihrer ersten Alben ins Genre Folk.
Bis Anfang der 70er Jahre sollte sich daran auch nichts ändern. Erst, als einige mit Joni´s Lebenseinstellungen und Verhaltensweisen nicht mehr zurecht kamen, sich daraus vereinzelt Konflikte entwickelten (sie galt unter Gleichgesinnten als „Snob der Szene“, als Zicke und Diva), brach sie Freundschaften, kündigte Kontakte und rächte sich mit ersten Ausflügen in die Popwelt.
Die First Lady des Folk auf Abwegen?
Keineswegs, denn bereits einer ihrer ersten Songs „You Turn Me On, I´m A Radio“ räumte ordentlich ab. Bitterböse Texte, schonungslos offen zu allen Seiten und verbale Stiche verteilend, marschierte Joni Mitchell nun straight im Kreise des Popzirkus umher.
Schnell eroberte sie sich den Ruf einer poetisch wertvollen Komponistin und zog allerorten die Register. Auch wenn ihre Songs sich nicht an der Spitze der Charts platzierten, so erreichten sie dennoch genau die Art von Fans, die ihre Ehrlichkeit liebten, die ihre Art, Songs zu kreieren bewunderten und die ihre Lyrik genossen.
In dieser Zeit nahmen viele alte, wie auch neue Stars ihre Songwriterqualitäten in Anspruch, u.a. Bob Dylan, Judy Collins, Johnny Cash, Fairport Convention und viele andere mehr.
Trotz dieses respektablen Erfolges, kündigte Joni Mitchell Mitte der 70er Jahre ihren Vertrag mit der Popmusik auf und widmete sich von nun an dem Jazz. Eine Leidenschaft die sie mit Nachdruck begleitete. Ihr erstes Album „Hejira“ 1976 hinterließ einen besonderen Eindruck. In dieser Zeit stand Joni an der Seite der Weltelite des Jazz im Studio und auf Bühnen. Einige ihre Begleiter waren u.a. Jaco Pastorius, Larry Carlton und Wayne Shorter. Besonders sei erwähnt, das 1979 entstandene Auftragswerk „Mingus“ – Joni vertextet Charles Mingus Songskulpturen. Ein Meisterwerk des Jazz.
Doch wer dachte, sie hätte nun ihr Bestimmungsfeld für ewige Zeiten gefunden, der hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ab etwa Anfang der 80er Jahre widmete sich Joni mit allen Konsequenzen dem Mainstream-Rock. Allerdings währte diese Freundschaft nur für kurze Zeit. Ihren Disput mit der Musikindustrie, mit dem kompletten Business rund um die Musik, kostete Joni Ende der 80er dann voll aus. Sie hat die Schnauze gestrichen voll und kehrte der Musikwelt den Rücken.
„….in der Rockmusik wird man aufgebaut, um niedergemacht zu werden…..“.
Anfang der 90er Jahre verfolgte Joni Mitchell ihren Abschied vom Showbiz konsequent. Sie widmete sich von Jahr zu Jahr mehr der Kunst und verabschiedete sich von den Bühnen.
Doch trotz ihres Rückzugs, ehrte sie die Fachwelt in den letzten Jahren immer wieder mit tollen Preisen. So fand sie Platz in der „Rock `n´ Roll Hall Of Fame“, erhielt Ehrungen für ihr Lebenswerk und vieles mehr. Ein Grund, still und leise, weitere Alben zu veröffentlichen, u.a. das mit zwei Grammys ausgezeichnete Werk „Turbulent Indigo“.
Bis heute hat sich daran nichts geändert. Joni Mitchell macht weiter in Kunst, veröffentlicht in regelmäßigen Abständen ein hochgelobtes Album und das war´s. So bleibt man gut in Erinnerung.
Und vielleicht, wer weiß, wird sie eines Tages mal wieder eine Tour planen.
Für alle Fälle, sollte sich Joni auch weiterhin rar machen, gibt es für wahre Fans eine perfekte DVD.
„Refuge Of The Roads“ – ein tolles Livekonzert aus dem Jahre 1983. Mit dabei, ihre langjährige Band und ihr Ehemann Bassist Larry Klein.
Die kanadische Sängerin mit mächtig Poesie in der Stimme, verzaubert ihr Publikum in allen Facetten ihres musikalischen Könnens.
Angefangen bei den Songs “Wild Things Run Fast”. „Raised On Robbery” und “Refuge Of The Roads”, bis hin zu “Solid Love” und “God Must Be A Boogie Man”. Selbst ihr großer Hit “Woodstock“ darf nicht fehlen. Mit ihm beendet sie ein wundervolles Programm.
„Refuge Of The Roads“ lässt keine Wünsche offen. Sicher, es hätte ein längerer Konzertmitschnitt werden können. Mit gerade mal 59 Minuten ist er ungewohnt kurz. Noch ein kleiner Wehmutstropfen. Bonusmaterial fehlt gänzlich. Schade eigentlich.
Dennoch, eine prima DVD fürs Archiv.
Tracklisting:
01 Wild Things Run Fast
02 Raised On Robbery
03 Refuge Of The Roads
04 Sweet Bird Of Youth
05 Banquet
06 You’re So Square (Baby I Don’t Care)
07 Solid Love
08 God Must Be A Boogie Man
09 For Free (Aka He Played)
10 You Dream Flat Tires
11 Chinese Café
12 Underneath The Streetlight
13 Woodstock
Time: 59:00 min.