Eigentlich hatte ich gehofft, dass die komplette John Sutherland CD an mir vorübergegangen ist oder vorübergehen wird. Dass das zumindest ansonsten wohl gesinnte Promotiondepartment Gnade walten lässt und uns bei der Bemusterung übersieht. Und dann erhebt sich der gute John doch in einem Szenario aus LSD-Tripp, Esoterik-Trinen-Gemale und Nina Hagen-Gekritzele aus dem Postfach. Und steht da wie das erste Zeichen der Apokalypse. Wenn die allerdings genauso die Erwartungen enttäuscht, brauchen wir uns nicht auf den Weltuntergang zu freuen: denn irgendwie ist Don’t look back keineswegs so gruselig wie die Singles erwarten ließen. Und ich sehe mich schon mit den ‚Sutherlandies’, den Sutherland-Fans, um einen blühenden Apfelbaum tanzen.
Für alle, die mit dem Namen John Sutherland immer noch nichts anfangen können: der junge Mann hat einst gemeinsam mit B3 dieses ‚Aio Aa as aio’ verbrochen und sämtliche Alleinunterhalter mitsamt ihren Bontempi Orgeln um einen neuen Song bereichert. Und wie aktuell die meisten Ex-Boygroupler oder Ex-Teeniestars hat John Sutherland plötzlich den Rock für sich entdeckt ohne seine poppigen Wurzeln zu vergessen. Was auf den bisher veröffentlichten Singles dem plötzlichen Schmerz eines Piercings ähnelte, hat auf der kompletten CD richtig gute Momente. Besonders das schmissige Over the edge finde ich besonders durch den Refrain und den Rutscher in hohe Stimmlagen recht gut. Auch der Opener Teenage Suburban Queen geht trotz etwas aufdringlicher Keyboards anständig nach vorne los. Gleiches gilt für den zweiten Song Everywhere man, an welchen sich sauber das Elton John-Cover Rocket man anschmiegt. Trouble Child schunkelt zwar etwas zu stark, aber die gelegentliche Falsettstimme reißt einiges raus. Solch verstörende Momente wirken in den doch eher einfachen Nummern des Popjünglings doppelt gut. Und so überrascht der saubere Rocker Stop Wasting ebenso wie die sonnige Ska-Nummer Let it out. Etwas überflüssig hingegen die Weichspüler und 08/15 Balladen wie My view oder Carry On.
Insgesamt ist das zwar nicht mehr als Mainstreamware für das Radio, aber bei dem derzeitigen Niveau ist das hier sogar schon gern gehört. Ich denke, mit sieben Punkten schließen ich, John und seine Sutherlandies vorläufig Frieden.
Schon etwas besser als die Kritiken zu den Singles wo sich mir die Haare sträuben, die Balladen My View und Lose my way sind austauschbar und wirklich ein Schritt zurück, Carry on hingegen ist eines der gelungensten Lieder auf dm Album.
Womit der Verfasser Recht hat ist das die Singles nicht aussagekräftig sind für das Album. My love is crasy war ok, als Startschuß geeignet, Keep Talking hingegen war absolut unspektakulär, 08/15 Boyband gedudel was seiner Karriere den Todesstoß versetzt hat.
Sehr Schade, hört man das Album und vergisst man mal das er mal ein Boyband Mitglied war, will man mehr von ihm hören.
Comment by Hinrich — March 27, 2007 @ 7:05 am