Im Jahre 2003 ging eine Band so richtig durch die Decke. Begleitet von jeder Menge Hype, Begeisterungsstürmen bei den Kritikern und Musikerkollegen konnte eine Band mit jeder Menge Können und ihrer Version von Rockmusik schnell die Ohren und besonders die Herzen der Musikliebhaber erobern und eine riesige Fangefolgschaft aufbauen. Die Rede ist hier von Jet. Deren Debüt-Album „Get Born“ aus dem Jahre 2003 ging millionenfach über die Ladentheken dieser Welt Die Band ging auf ausgedehnte Welttournee und man könnte fast sagen, es kam, wie es kommen musste. Am Ende dieser Kräftezehrenden Tour machten sich nicht nur Abnutzungserscheinungen breit, sondern man hatte auch mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen. Nic und Chris mussten sich zudem noch mit dem Tod des Vaters auseinandersetzen. Keine einfache Zeit also. Die Band zerstreute sich erstmal in alle Winde.
Die Aufnahmen für das neue Album begannen in einem Luxuskomplex auf Barbados. Weitere Trips nach Woodstock und ein paar Sessions in Oz folgten. In L.A. arbeiteten die Jungs dann schließlich weiter und am Ende hatten sie eine Auswahl von 50 Songs am Start! Nicht übel, die Kreativität scheint ja nur so geflossen zu sein. Wie man hört soll „Shine On“ jetzt eine Prise ruhiger sein und zudem mit jeder Menge großer Melodien aufwarten.
Ruhiger? Jet? „Shine On“? Entschuldigung, aber drauf geschissen. Die Platte hier ist alles, aber nicht ruhig. Natürlich gibt es auch hier ruhige Momente, aber die waren auch schon auf dem Vorgänger zu finden. Dieses Ding hier ist ein verdammtes Monster – ein Rockmonster. Der Opener „L`Esprit D´Escalier“ deutet dies allerdings noch nicht an, die Beatles hätten diese knapp 25 Sekunden nicht besser hinbekommen. Aber dann. Bei „Holiday“ hauen die Jungens das volle Rockbrett raus. Die Gitarren heulen, der Bass pumpt und das Schlagzeug scheppert, dass es eine Freude ist. Bei der Single „Put Your Money Where Your Mouth Is“ geht es in dieser Manier weiter, angereichert mit viel sexy Soul. Geht nicht? Doch geht! Curtis Mayfield trifft auf AC/DC. Die ersten ruhigen Töne werden dann mit „Bring It On Back“ angeschlagen. Wer in den letzten Jahren die Hymnen im Rock vermisst hat, der sollte hier mal genauer hinhören. Danach ist aber schon wieder Schluss mit lustig. Mit viel Feedback beginnt „That´s All Lies“ um sich danach in eine Art Punk-Boogie zu steigern. Gut Laune ist hier vorprogrammiert und dürfte auch den letzten Sesselhocker zum Tanzen bringen. „Kings Horses“ lässt dem Hörer danach wieder etwas Zeit zum durchatmen: Der Titelsong ist ein berührender Nachruf an den verstorbenen Vater, geradezu prädestiniert für die Stadien dieser Welt. Danach blinzeln bei „Come On Come“ nicht nur musikalisch, sondern auch gesanglich Oasis durch. Allerdings ist das Teil hier besser als alles was die Briten die letzten Jahre so fabriziert haben. Noel wäre wahrscheinlich froh, wenn er so einen Song noch mal auf die Reihe bekommen würde. Kennt eigentlich noch einer Slash’S Snakepit? Ja genau, der Slash. „Stand Up“ hätte auch gut auf „Ain’T Life Grand“ gepasst und erinnert entfernt an „Just Like Anything“. Der Track „tritt wirklich Arsch“. Das Gaspedal wird beim anschließenden „Rip It Up“ weiter bis zum Anschlag durchgetreten. Rock and Roll so wie er sein soll(te)! „Skin And Bones“ gemahnt an die großen Helden der 70er, nein Jet scheuen sich nicht vor großen Melodien und entspannten Hymnen. Bei „Shinny Magazine“ und „Eleanor“ verneigt sich die Band mit diesen Beach Boys Harmoniegesängen dann ganz tief vor den 60ern. Den Albumabschluss bilden dann wieder die Beatles. Wenn man es nicht besser wüsste, dann könnte man „All You Have To Do“ glatt für einen bisher unbekannten Track der Fab Four halten – und dies ist durchaus als Kompliment gemeint!
„Shine On“ hat mir den Glauben an den Rock zurückgegeben! Verdammte Hacke, ist die Scheibe gut und vielfältig. Die Band hat zu ihrem Debütalbum noch mal einen ganzen Quantensprung gemacht. Auch wenn man zu jederzeit die Einflüsse von Jet hört, so klingt die gesamte Scheibe doch sehr frisch und dürfte im Hier und Jetzt mit offenen Armen vom stagnierenden Rockzirkus empfangen werden. Ganz groß das hier!