Rezensionen

James Dean Bradfield: The Great Western

(Red Ink)

Autor: schlimm / Wertung: 7.5 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von James Dean Bradfield - The Great WesternDie Manic Street Preachers zählten zu ihrer Hochzeit sicher zu der Speerspitze des Britrock bzw. –pop. Alben wie „The Holy Bible“ hin zu „This Is My Truth Tell Me Yours“ verkauften sich zigfach und festigten den Ruf der Band zu den ganz Großen zu zählen. Mittlerweile hat eine neue Generation das Zepter in die Hand genommen. Nichtsdestotrotz braucht sich die Musik der „Preachers“ hinter all´ diesen Bands nicht zu verstecken, denn die Qualität der Musik ist unbestritten und besteht auch heute noch locker den Test der Zeit. Das erste Soloalbum von James Dean Bradfield reiht sich da nahtlos ein. Der Workaholic hat die selbst verordnete Bandpause also einfach für sich selber kreativ genutzt.

Elf Songs finden sich auf dem Silberling nun wieder und es stellt sich die (spannende) Frage inwieweit sich der Sänger und Gitarrist mit diesem Werk von seiner Hauptband und –beschäftigung entfernt hat. Überraschen wird es nicht wirklich jemanden, „The Great Western“ ist nicht wirklich weit entfernt vom Sound der Manic Street Preachers. Die erste Single „That´s No Way To Tell A Lie“ kommt mit Schrammelgitarren gleich richtig schön aus den Puschen. Inhaltlich hat der Mann der Welt auch noch das ein oder andere mit auf den Weg zu geben, so kritisiert er hier, dass Religionsorganisationen nichts gegen den AIDS-Virus unternommen haben. „An English Gentleman“ erinnert dann schon verdammt an die Maniacs und spätestens beim anschließenden „Bad Boys And Painkillers“ ist er wieder da, der vertraute Sound der Maniacs. Ist aber auch kein Wunder, denn die Lyrics stammen aus der Feder eines gewissen Nicholas Wire. „On Saturday Morning We Will Rule The World“ ist einer dieser schönen Hymnen, wie sie wohl nur Herr Bradfield vortragen kann. James spielte bei seinem Alleingang die Instrumente zum großen Teil selber ein (Bass, Gitarre, Keyboards). Hilfe bekam er z.B. von Super Furry Animals Schlagzeuger Daf Leuan beim Rocker „Run Romeo Run“, welcher auch gleichzeitig das Ende der ersten Albumhälfte darstellt. Na, bis hierhin hat die ganze Geschichte doch sehr viel Spaß gemacht, überraschend kurzweilig war das doch und man freut sich auf „Seite 2“.

„Still A Long Way To Go“ ist ein etwas ruhigerer Start in Hälfte zwei, große Melancholie macht sich breit. Die Handbremse wird dann bei „Emigre“ wieder etwas gelöst und im Refrain jubilieren dann sogar wieder Shalala-Chöre, wie wir sie von Bradfields eigentlicher Band schon kennen. Bei „To See A Friend In Tears“ handelt es sich um die einzige Coverversion des Albums. Die Jacques Brel Nummer hört sich hier schon fast wie ein Queen Song an, wem es gefällt. Ist sicherlich Geschmackssache, meinen trifft diese Umsetzung jedenfalls nicht. „Say Hello To The Pope“ und „The Wrong Beginning“ überzeugen dann wieder in bekannter Manier. Den Abschluss bildet dann „Which Way To Kyffin“, eine Hommage an den Künstler Kyffin Williams, der als Englands größter noch lebender Landschaftsmaler gilt.

Wer die Musik der Manic Street Preachers mag, der kann hier bedenkenlos zugreifen, denn allzu weit sind diese elf Songs nicht entfernt von Bradfields Hauptband – weder musikalisch, noch inhaltlich. Das ist auch das eigentliche Problem der Platte, denn warum sollte man „The Great Western“ dem Werk der Maniacs vorziehen, wo man doch von dieser Gruppe schon so viel Musik für die berühmte Ewigkeit bekommen hat und die in der Summe natürlich auch einen Ticken besser ist? Auf der anderen Seite geht dieses Platte hier absolut in Ordnung und macht auch beim zwanzigsten Durchlauf noch Spaß und es ist sehr löblich, dass James Dean Bradfield das macht, was er am besten kann und sich nicht zwanghaft an einem Solowerk versucht, was meilenweit von seinem eigentlich Schaffen entfernt ist, dies ist bekanntlich schon bei vielen in die Hose gegangen. Ich für meinen Teil werfe jetzt mal die nächste Runde „The Great Western“ an.

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