Seit einigen Tagen – genauer gesagt seit „Death On The Road“ bei mir eingetrudelt ist - frage ich mich ständig, was Iron Maiden zur Zeit im Schilde führen, denn immerhin ist dieses Doppelalbum die mittlerweile die sechste Live – Veröffentlichung in CD Form (lässt man die „Maiden Japan“ – E.P. in dieser Aufzählung mal außen vor). Von den diversen dazugehörigen Videos und DVDs will ich ja an dieser Stelle gar nicht mal anfangen, obwohl ich es eigentlich müsste, denn „Death On The Road“ soll in Kürze wohl auch als 3 DVD Package erscheinen. Ich bin bei meinen Überlegungen inzwischen bei 2 Theorien angelangt, die für mich am Wahrscheinlichsten scheinen:
Erstens: Iron Maiden sitzen zähneknirschend in England und bemerken voller Neid, dass ein paar amerikanische Jungs im Lederstrampler mit Hang zu Wagner eine Hölle auf Erden nach der anderen heraufbeschwören und auch noch mit Homevideos aus der Zeit als die Bilder laufen lernten reichlich Dollar scheffeln. Das kann eine Institution wie die der eisernen Jungfrauen natürlich nicht auf sich sitzen lassen und versucht nun ihrerseits mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Material auf den Markt zu scheffeln.
Könnte sein, ist aber relativ unwahrscheinlich, denn vom Klang her ist dieser Mitschnitt qualitativ zu gut, um als Schnellschuss durchzugehen.
Also weiter zu Möglichkeit Nummer 2: Studioalben zu produzieren kickt Harris und Co einfach nicht mehr (nicht zuletzt, weil’s eh für jedes neue Studioalbum ordentlich Senge von den treuesten der ‚Fans’ gibt). Also beschließt man nach kurzem Kriegsrat in Steve’s Taverne einen Guinness Rekord anzustreben (also Buch jetzt… nicht Bier) und zwar als die Band, die es schafft die meisten und dabei vor allem mehr Live-Alben als Studioplatten zu veröffentlichen. Könnte indirekt auch wieder etwas mit den Lederfetischisten aus USA zu tun haben, denn man grämt sich immer noch, dass man es nicht schafft, den Dezibelrekord nach England zurück zu holen (hierzu ein kleiner Tipp von mir: einfach mal ein wuchtiges Riff schreiben, den englischen Matthias Reim aus der Band fönen, sich jemand holen, der wirklich Gitarre spielen kann – Jeff Waters z.B. - und dann den Verstärker schön weit aufreißen… dann klappt’s auch mit der Trommelfellvernichtung).
Was diese Gedankenreise mit vorliegendem Release zu tun hat? Natürlich nicht viel, aber was will man wohl sonst alles zur x-ten Live Scheibe einer Band sagen, die fast jeder kennt?! 16 Songs insgesamt, verteilt auf 2 CDs, die ein oder andere Version ist etwas anders als auf Studio-Konserve, ein gelungener Querschnitt aus Klassikern und aktuellem Material, mitgeschnitten am 24. November 2003 in Dortmund, Soundqualität des Mittschnitts ist ansprechend und das Booklet bietet gewohnt viele Fotos der Herren. Auf gut deutsch, kann man ruhigen Gewissens kaufen, wenn man alles haben möchte, was Maiden so auf den Markt werfen, oder wenn man sogar in Dortmund dabei war, und hofft, sich aus dem allgemeinen Gegröle heraus zu hören. Wer bisher allerdings noch kein Live-Album der Jungfrauen im Regal stehen hat, der fährt meiner Meinung nach mit „Live After Death“ (am besten in der Vinyl Ausgabe) wesentlich besser. Wirklich gespannt bin ich allerdings noch auf die angekündigte 3-fach DVD, die könnte „Rock in Rio“ nämlich möglicherweise doch noch toppen.