Es gibt in meinen Augen kaum eine Band die so unberechenbar ist wie die NWOBHM – Legende Iron Maiden. Immer wenn man denkt, dass sie endgültig ihr ganzes Repertoire vor einem ausgebreitet haben und nur noch alten Brei aufkochen können, da hauen die alten Herren mal wieder einen raus, der einen aus den Latschen haut.
Der aktuelle Longplayer ist wieder einmal ein Highlight in dieser Wertungskategorie, denn nach dem von vielen gehassten und von mir dennoch sehr gerne gehörten „Dance of Death“ Album werden wieder einige die eisernen Jungfrauen endgültig abgeschrieben und ein Album erwartet haben, dass sich krampfhaft an alte Stärken anzubiedern versucht, um die verloren gegangenen (oder geglaubten?) Fanscharen wieder zu einen. Aber weit gefehlt, denn „A Matter of Life and Death“ erwischt einen in dieser Erwartungshaltung voll von der Seite, denn anstelle von einschmeichelndem Gitarrengeschrubbe mit Hitpotential kriegt man Material vor den Latz geknallt, das vor allem eines ist, nämlich extremst sperrig! So nach nur einem Durchgang blieb entgegen sonstigen Gewohnheiten keine einzige Nummer wirklich haften, auch wenn man meinte, das ein oder andere klassische Maiden Element in einer Akkordfolge wahrgenommen zu haben. Erstaunt nimmt man nebenbei zur Kenntnis, dass die Irons es für dieses Album mal gerade auf 10 Tracks gebracht haben, diese sich aber dann doch über gut 71 Minuten verteilen. Nach weiteren Durchläufen tröpfelt dann so langsam die Erkenntnis durch, dass die Songs deswegen so sperrig sind, weil man im Hause Maiden die epischen Elemente wieder entdeckt hat und sich nicht scheut, wenn auch in Anzahl an wenigen Stücken wenigstens mal wieder sehr ausführlich die ein oder andere gute Geschichte zum Besten zu geben. Erinnert mich persönlich bisweilen ein wenig an Glanztaten der Marke „Alexander the Great“, „Rime of the Ancient Mariner“ und Co und macht die Musik der Herren mal wieder richtig spannend und nicht nur musikalisch sondern auch textlich wieder richtig hörenswert, wobei sich der Trend zu guten Geschichten ja bereits auf dem letzten Release „Dance of Death“ andeutete.
Fazit: Iron Maiden haben augenscheinlich endlich den richtigen Weg gefunden, alte Stärken mit neuen Elementen und einer persönlichen Entwicklung zu verbinden, ohne dabei wie eine fahle Kopie ihrer selbst zu klingen. Richtig Laune macht „A Matter of Life And Death“ übrigens, wenn man die Scheibe richtig laut genießt und nach wenigen Durchläufen die Songs bereits nach Leibeskräften mitgröhlt, egal ob man nun zu den Maiden Legionären oder den Maien Newbees gehört. 10½ eiserne Jungfrauen!