Harfe, Schalmei, Dudelsack, Flöte und Zyster sind nicht unbedingt Instrumente der modernen Rockmusik, zumindest finden diese nicht sehr häufig Verwendung darin. In Extremo beweisen seit Jahren das Gegenteil. Die Band steht für die Verbindung von Tönen der härteren Gangart mit mittelalterlichen Klängen. Die Live-Aktivitäten der Formation sind ebenso speziell. Neben Konzerten auf Festivals und in Clubs spielen sie nämlich auch standesgemäß auf Mittelaltermärkten. Hinzu kommt noch, dass die Band ihre mittelalterlichen Kostüme für die Auftritte, wie auch ihre Instrumente, selber anfertigt. So hat man es sich nicht nur in einer Nische gemütlich gemacht, sondern kann auch auf eine sehr treue Fangemeinde stolz sein.
Mit „Kein Blick zurück“ gibt es nun ein Schmankerl für eben diese treuen Anhänger. Die Bilanz des zurückliegenden Jahrzehnts wurde aber nicht einfach lieblos zusammengekloppt. Ein Online-Voting unter den Fans hatte den größten Einfluss auf die Auswahl der Songs. Damit aber noch nicht genug, denn In Extremo legten noch einmal selber Hand an und spielten komplett alle Tracks neu ein. Endlich liegen so nun auch die klanglich wenig ansprechenden Lieder der Anfangszeit in einem amtlichen Soundgewand vor. Wo man dann gerade eh dabei war, hat man sich auch nicht lumpen lassen und mit „Kein Sturm Hält Uns Auf“ und „Alte Liebe“ direkt zwei brandneue Tracks aufgenommen, die sich hervorragend in das Gesamtwerk einfügen. Das alles ist natürlich schon eine nette Geschichte für eine „Best Of“ Zusammenstellung, allerdings sollte man unbedingt nach der limitierten Ausgabe Ausschau halten. Nicht nur, dass das Digi-Pack mit einer schicken Prägung ausgestattet ist, es gibt zusätzlich noch eine Bonus Disc mit acht In Extremo-Songs als Coverversionen von anderen Künstlern. Darunter befinden sich nicht ganz so nahe liegende Kollegen wie Silbermond mit „Die Gier“ und Götz Alsmann mit „Singapur“. Dies sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen!
Fazit: In Extremo haben ihren treuen Anhängern hier ein sehr schönes Weihnachtspaket geschnürt. Aufmachung, Songauswahl, Bonusmaterial und die Neubearbeitung der Songs lassen da keine Wünsche offen und werden so zum absoluten Pflichtkauf. Wer ansonsten mit härteren Tönen was anfangen kann und mal hören möchte, wie diese in einem mittelalterlichen Gewand klingen, der sollte „Kein Blick zurück“ unbedingt mal antesten!