Rezensionen

Hypocrisy: Virus

(Nuclear Blast)

Autor: Katze / Wertung: 10.0 von 12 Punkten / Kommentare: Bisher keine

Bild von Hypocrisy - VirusDa soll doch noch mal einer sagen „Ein alter Hund lernt keine Kunststücke mehr“, denn auch wenn dieser Spruch in 99% aller Fälle zutrifft, gibt es immer wieder mal alte Hunde, die einem das Gegenteil beweisen.

Ein solch alter Hund (und das ist keinesfalls despektierlich gemeint) ist für mich persönlich Peter Tätgren und seine Band Hypocrisy. Seit 1992 veröffentlicht er mit dieser Formation ein Album nach dem anderen, allesamt auf einem recht ansprechenden Niveau, aber dennoch hatte man (zumindest soweit es mich betrifft) immer irgendwie das Gefühl, dass er mit dieser Band musikalisch auf der Stelle tritt. Kurz und gut: Für mich sind viele Platten des Backkatalogs relativ austauschbar.

Mit „Virus“ machen Hypocrisy allerdings einen großen Schritt nach vorne, denn hier breitet man die gesamte Palette des spielerischen und songwriterischen Könnens vor dem Publikum aus und präsentiert sich in einer stilistischen Vielfalt, die ich so nicht erwartet hätte. Natürlich bilden fette Death Metal Parts mit reichlich Geknüppel immer noch eine der Grundfesten, auf denen das Gebäude Hypocrisy steht, aber man scheut sich keineswegs, auch einmal in andere Gefilde wie z.B. den progressiver angehauchten vorzudringen. So bietet „Virus“ immer noch einiges an Mattenschwinger – Kompatibilität, weiß aber auch durch technische Feinheiten zu bestechen, die man besonders gut wahrnimmt, wenn man sich intensiv und in einer ruhigen Minute mit diesem Release auseinandersetzt. Gelegentlich, wie z.B. bei „A Thousend Lies“ gibt sich das Quartett sogar musikalisch arg entspannt und extrem atmosphärisch dicht, in dem man breite Keyboard-Teppiche ausbreitet. Vollendung erfährt das interessante, ansprechende und abwechslungsreiche Songwriting durch einen amtlichen Gesamtsound, den man bei Tätgren allerdings ja auch bereits gewohnt ist und deswegen erwarten durfte.

Fazit: Bisher zählten Hypocrisy nicht unbedingt zu meinen absoluten Favoriten in meinem CD-Regal, aber zumindest mit „Virus“ haben sich die Herren einen Ehrenplatz in meiner Sammlung verdient. 10 satte Punkte!

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